Aus dem Französischen von Sabine Erbrich. Am 13. November 2015 gerät die Welt der dreiundzwanzigjährigen Ava völlig aus den Fugen. Nach dem Anschlag auf den Pariser Konzertsaal Bataclan macht sich eine wuchernde Furcht in Ava breit, und sie kann nicht anders, als sich permanent mit den Bildern des Schreckens zu beschäftigen. Immer wieder betrachtet sie Fotografien der Opfer, lernt Wikipedia-Einträge terroristischer Attentate auswendig und sieht sich Gewaltvideos auf YouTube an. Als sie auch noch ihren Job im Apple-Store verliert, streift sie ziellos durch die Straßen der Stadt. Wie ein Katalysator der Realität absorbiert Ava alles, was sie sieht, um der immer absurder scheinenden Welt einen kleinen Funken Sinnhaftigkeit abzugewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.09.2018
Wolfgang Hottner erfährt, wie es sich anfühlt als paranoider Millennial in Paris zu leben. Frederika Amalia Finkelsteins neuer Text schließt laut Rezensent an seinen Vorgänger "L'Oubli" an und verhandelt mit der diffusen Bedrohung durch den Terror erneut eine existenzielle Erfahrung. Spannender als den Vordergrund findet Hottner allerdings den "Sprachzustand" des Textes. Als unaufhörliche solipsistische Totenklage erlebt er den Bericht der Erzählerin, der für ihn auf die Weise ein gestörtes Verhältnis zur Gegenwart offenbart. Erst am Ende des Romans öffnen sich die Erzählung und die Erzählerin den Erfahrungen anderer, erklärt Hottner.
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