Aus dem Französischen von Regine Herrmannsdörfer. Zum sechzigsten Geburtstag des Meisters soll es ein ganz besonderes Geschenk geben: eine Anthologie, die die sechzigste Aneignung des Fauststoffes darstellen soll. Eine immense Herausforderung, doch alle steuern etwas bei: Mitarbeiter, Freunde, Verleger und andere geheimnisvolle Personen. Alte Bekannte tauchen auf: Daniel Devembre aus "Die Akte Meyer-Devembre" und der coole Privatdetektiv aus "Stille in Montparnasse" sollen gleichsam ihr Scherflein zu dem Jahrhundertwerk beitragen. Doch nun entwickelt sich ein echter Kriminalfall: Der Privatdetektiv wird losgeschickt, um nach der Jugendliebe des Meisters namens Grete Weissbaum zu forschen. Diese mysteriöse Dame ist eine erstaunliche Metamorphose der Figur Gretchens, vielleicht Sängerin, vielleicht Agentin, auf jeden Fall hat die Dame Kontakte zum Teufel und beschert der Weltpolitik unangenehme Überraschungen. Der Meister wiederum steht in Verbindung zum Teufel, der ihm gelegentlich mitten in Paris in Gestalt von Al Pacino begegnet. "Der Sechzigste" ist ein verspielter und satirischer Roman über Älterwerden, Zeit und Vergänglichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2008
Nicht so recht froh ist Rezensent Thomas Laux mit dieser "Pseudo-Anthologie" geworden. Dem Willen des Autors gemäß ist sie als fiktive Festschrift zum titelgebenden Geburtstag des Protagonisten entstanden, hat also unterschiedliche Perspektiven (sprich: Erzähler). Alle schreiben über den Mann, der sich gern "Meister" nennen lasse, und hinter dem, teilt uns Laux mit, niemand Geringeres als der Teufel steckt. Und zwar mit für ihn deutlicher "Referenz zum Faust-Stoff". Allerdings scheint die multiperspektivische Annäherung nicht nur strukturelle Probleme nach sich zu ziehen, sondern lässt auch insgesamt diesem modernen Teufelsannäherungsversuch nicht gerade überzeugend aussehen. "Auftrumpfend klug" daher kommende Fußnoten verstärken den negativen Eindruck des Rezensenten noch.
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