Radikal und brisant: der einzige abgeschlossene, bisher unveröffentlichte Roman von Hans Wollschläger - zugleich Fundament, Fluchtpunkt, Steinbruch und Lebensprojekt. Der Schriftsteller Michael Adams kehrt 1950 aus der Emigration nach Bamberg, der Stadt seiner Kindheit und Jugend, zurück. Seine Begegnung mit den Mitläufern, längst wieder etablierten Tätern und dem restaurativen Geist der jungen Bundesrepublik führt zu einer faustischen Versuchung mit der Macht. Der Roman bietet nicht nur einen "modernen Faust", d. h. die Transformation des "Faust"-Stoffes in die Moderne, sondern ist auch nach dem Vorbild der zeitkritischen Romane von Arno Schmidt und Wolfgang Koeppen eine scharfe und aggressive Kritik an der politischen Kultur der Bundesrepublik, deren Sprengkraft heute noch unmittelbar packt und berührt. Nachdem der Text wegen der Komplexität seiner Form und vor allem wohl wegen der Radikalität und Brisanz der Werturteile des Protagonisten in den 1960er Jahren keinen Verlag gefunden hat, liegt hiermit nun zum 90. Geburtstag Wollschlägers die Urfassung der Herzgewächse endlich vor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025
Eine Besprechung, die wahrscheinlich ebenso verschachtelt ist wie der Roman, widmet Rezensent Dietmar Dath dem posthum veröffentlichten Buch von Hans Wollschläger. Wollschläger hat sich einen Schriftsteller erfunden, den er Michael Adams tauft und den er in diversen durcheinanderlaufenden Variationen einen "Abschied von der Konzeption" und offenbar auch vom linearen Erzählen vollziehen lässt, wie Dath meint. Die deutsche Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts spielt eine entscheidende Rolle, sie hat Adams (und damit Wollschläger) zwar nicht das Wort, aber die Formfindung zerstört, Inspiration dafür hat der reale Autor bei einem KZ-Überlebenden gefunden. Der Kritiker bewundert hier eine große, mit Gewinn und Verwirrung zugleich zu lesende Material- und Sprachfülle, die zudem von Arno Schmidt unterstützt wurde.
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