Aus dem Schwedischen von Paul Berf. Die Farbe Grau steht gemeinhin für Unbestimmtheit. Grau, das sind die Übergänge, jene Stellen und Momente, wo das helle Licht des Tages schwindet und die klaren Kontraste undeutlich werden. Aris Fioretos begibt sich mitten hinein in diese Zone der Schattierungen, des Flüchtigen und Vergänglichen. Das graue Buch speist sich aus den Schwellenbereichen, die unserem auf Kontrolle, Sachlichkeit und Wissen ausgerichteten Blick üblicherweise entwischen: Es erkundet die "gräuliche Wärme" jenes Moments, bevor der Schlaf uns ereilt, wie auch den mehrdeutigen Raum des Denkens und des Erinnerns, den wir uns erst anhand von feinen Nuancen selbst anschaulich machen können: "Uns reicht es zu grübeln, und damit in einer Region zu bleiben, die zwar vage ist, in der wir jedoch weder nach der Wahrheit noch uns selbst tasten, sondern nach 'etwas' dazwischen. Mit anderen Worten: nach dem Grau.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2025
Rezensentin Pauline Gümpel entdeckt Aris Fioretos' Essay, der 30 Jahre nach der Originalveröffentlichung erstmals auf Deutsch vorliegt. Der Text bietet laut Gümpel bildreiche Einlassungen zur Literatur, Werken wie Austens "Emma" etwa und zu Motiven wie Wolken, Stein und Tränen. Für die Rezensentin "Auffrischungen", die zur Neulektüre einladen, die den Leser aber auch immer wieder mit allzu großen Fragen im "Schwebezustand" zurücklassen. Um sich darin nicht zu verlieren, schlägt Gümpel vor, sich auf den "subtilen Humor" der Stücke einzulassen und den Autor vielleicht nicht immer zu ernst zu nehmen.
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