Annette Kolb (1870 - 1967) war die Tochter eines Münchner Gartenbauarchitekten und einer Pariser Pianistin. Die binationale Herkunft wurde bestimmend für ihr Leben und Werk. Sie wuchs in München auf, engagierte sich im Ersten Weltkrieg von der Schweiz aus für den Pazifismus und spielte in den zwanziger Jahren eine bedeutende Rolle im Münchner Literaturleben (Thomas Mann porträtierte sie als Jeanette Scheuerl in seinem Roman "Doktor Faustus"). 1933 emigrierte sie nach Paris, 1941 nach New York. Nach dem Krieg lebte sie wieder in München, war weiterhin literarisch, journalistisch, musikalisch und politisch aktiv und erhielt für ihre Verdienste um die deutsch-französische Verständigung höchste Auszeichnungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2003
In Thomas Manns "Doktor Faustus" wird die Autorin Annette Kolb in der Gestalt der Jeanette Scheuerl porträtiert: "mit elegantem Schafsgesicht" und insgesamt eher ambivalent. Mann, erfahren wir in Alexander Honolds Kritik der nun erschienenen Biografie von Armin Strohmeyr, hat ihr wohl die vehemente Ablehnung seiner Kriegsbegeisterung im Ersten Weltkrieg nie ganz verziehen. Kolb nämlich war entschiedene Pazifistin, wenn auch aus "katholisch-wertkonservativer Grundhaltung". Diese Mischung, so argumentiert wohl auch die Biografie, verdankt sich der gemischten Herkunft: die Mutter Pianistin und Französin, die nie deutsch lernen wollte, der Vater Landschaftsgärtner im Dienst der Wittelsbacher in München. Literarisch erfolgreich war Kolb erst relativ spät, kurz vor dem ersten Weltkrieg mit dem Roman "Das Exemplar". In ihrem langen Leben erlebte sie noch das Exil erst in Frankreich, dann in New York, und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland lebte sie bis ins hohe Alter als "Fremde im eigenen Land". Weitgehend beschränkt sich der Rezensent aufs Referat von Kolbs Leben, die Biografie wird als "sachlich, routiniert disponierend" mehr oder weniger gelobt.
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