Bereits dieses erste Buch Borsts wurde zum Klassiker über die machtvolle Sekte, die der Hl. Dominik geistlich und der französische König in einem Kreuzzug mit seinen Verbündeten militärisch niederwarfen, weil sie religiöse und politische Strukturen des Abendlandes gefährdeten. Ihre Herkunft aus dem byzantischen und bosnischen Raum der Bogumilen, ihre Lehre und ihre Ausbreitung in Italien, Frankreich und auch Deutschland beschreibt der Autor knapp, umfassend und mit einem reichen Quellenapparat. Alexander Patschovsky, Borsts Nachfolger auf dem Lehrstuhl in Konstanz, in seinem Nachwort zur Ausgabe von 1991 und Gerhard Rottenwöhrer in seinem eigens für unsere Ausgabe verfassten Essay "Arno Borst und die jüngere Katharerforschung" berichten über die Ergebnisse der Forschung seit den 1950er Jahren, wobei der letztere mit seinen teils kontroversiellen Auffassungen nicht hinter dem Berg hält.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2013
Keine Frage für den Rezensenten: Dieses Buch hat eine Neuauflage verdient, nicht nur, weil die Dissertation des Konstanzer Mittelalter-Historikers Arno Borst über die katharische Bewegung bereits 60 Jahre auf dem Buckel hat. Der energische Zugriff auf die Thematik, die Sicherheit der Urteile und die systematische Beschreibung katharischer Ideen und ihrer Spannung zwischen Christentum und Weltverachtung aufgrund damals neuer Quellen haben Gerd Althoff von jeher beeindruckt und überzeugt. Das nun mitveröffentlichte Nachwort von Gerhard Rottenwöhrer allerdings hält Althoff in diesem Zusammenhang für skandalös. Ein "unwirscher" Totalverriss mit einer gleichfalls skandalösen Selbsteinschätzung seines Autors (Selbstüberschätzung wäre besser) hat für ihn an dieser Stelle einfach nichts verloren.
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