Arnold Esch

Wahre Geschichten aus dem Mittelalter

Kleine Schicksale selbst erzählt in Schreiben an den Papst
Cover: Wahre Geschichten aus dem Mittelalter
C.H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406601330
Gebunden, 223 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Er habe beim Brand der Stadt, als der Feuersturm durch die Straßen fegte, einen alten Mann, der ihm aus den Flammen entgegenkam, in seinen Keller aufgenommen, dann aber selbst das Haus durch den Hintereingang verlassen und das Weite gesucht. So erzählt, das Gewissen belastet vom Erstickungstod jenes Alten, ein Priester eine traumatische Begebenheit seines Lebens. Und so berichten in diesem Buch viele andere, die eigentlich nicht die geringste Chance hatten, in eine historische Quelle hineinzufinden. Hier aber kommen sie nicht nur vor, sie kommen sogar zu Wort - erzählen aus ihrem Leben, ja ganze Lebensgeschichten: wahre Kurzgeschichten aus dem späten Mittelalter. Arnold Esch hat aus Gesuchen an den Papst die Lebenswelten mittelalterlicher Menschen freigelegt: bittere Jugend, erste Liebe, Streit im Wirtshaus, Spiel und Unterhaltung, Mord und Totschlag, Erwartungen und Enttäuschungen, Schuldigwerden im Alltag und im Krieg.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2010

In die Tiefen einer fremden, aber doch vertraut wirkenden Vergangenheit taucht der hier rezensierende Historiker Valentin Groebner mit Arnold Eschs "Wahren Geschichten aus dem Mittelalter" ein. Für sein neues Buch habe Esch die Register des päpstlichen Buß- und Gnadentums durchforstet und dabei viele authentische und rührende Schicksale zusammengetragen, freut sich Rezensent Groebner. Kleriker, die sich größerer Vergehen gegen das damalige Kirchenrecht schuldig machten, mussten an die Juristen des Papstes Erklärungen schreiben, um sich von diesen eine Unbedenklichkeitserklärung ausstellen zu lassen. Nicht nur profane Verstöße wie Wirtshausschlägereien oder Liebesabenteuer sollten so per amtlicher Beglaubigung einfach ungeschehen gemacht werden, sondern auch irrwitzige Geschichten wie die jenes Klerikers, der in Rom ein Plakat des Papstes von der Wand riss, nur um dieses angeblich "eingehender studieren" zu können. Von den mit "lakonischem Witz" vorgetragenen, kurzen Geschichten ist der Rezensent derart begeistert, dass er meist gern mehr über die Schicksale der Kleriker erfahren hätte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2010

Arnold Esch geht es in seinen Geschichten aus dem 15. Jahrhundert, die er hauptsächlich in Bittgesuchen von Geistlichen an den Papst, ihnen Absolution zu erteilen, gefunden hat, nicht um historiografische oder kunsthistorische Belange, meint Urs Hafner. Der Mediävist will "einfach erzählen", und das tue er in berührender und literarisch gelungener Weise. Doch auch wenn selbst dem Rezensenten die in den Geschichten prominente "Gewaltbereitschaft" auch unter Geistlichen ins Auge gestochen ist - da kann schon mal ein Priester einen anderen im Streit über die Gebeine der Heiligen Margarete erstechen -, als "anthropologische Konstante" mag er das nicht gelten lassen. Denn kaum etwas scheint dem faszinierten Hafner fremder als der diesem Buch abzulesende "rabiate Habitus" mittelalterlicher Geistlicher.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Dass Geschichte "aus Menschenleben gemacht" wird, bringt das Buch des Historikers Arnold Esch unserem Rezensenten Dirk Schümer wieder lebhaft in Erinnerung. Laut Schümer hat Esch für seine "faszinierende" Sammlung von Sündenbekenntnissen mittelalterlicher Christen tief in die Überlieferungsschatzkiste der päpstlichen "Sacra Paenitentiaria Apostolica" gelangt. Dass die vom Autor mit schöner Zurückhaltung im "lakonischen Kurzstil" präsentierten Buß- und Gnadenzettel einmal nicht als Aufzeichnungen von Richtern und Theologen daherkommen, sondern sozusagen im Rohzustand von Wirtshauskeilereien, Hinrichtungen und bösem Suff berichten, empfindet Schümer als großartig und wahrhaft wahrhaftig.
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