Die multireligiöse Welt des Mittelalters - Ein Panorama. In der Parabel von den drei Ringen streiten die Brüder über das Erbe, das sie von ihrem Vater bekommen haben. Juden, Christen und Muslime waren sich im Mittelalter sehr bewusst, dass ihre Traditionen miteinander verwandt sind. Die Historikerin Dorothea Weltecke zeigt, dass ihre konfliktreiche und dennoch gemeinsame Geschichte in dem großen Raum zwischen Atlantik, Nil und Indus überhaupt erst die exklusiven "Religionen" hervorgebracht hat. Das Grab des Propheten Ezechiel in der Nähe von Bagdad war im Mittelalter Ziel von jüdischen, muslimischen und christlichen Pilgern. An diesem und vielen anderen Beispielen zeigt Dorothea Weltecke anschaulich, wie intensiv sich die Glaubensgemeinschaften austauschten. Gemeinsam bauten sie eine neue kulturelle Landschaft. Dass ihre Traditionen miteinander verwandt waren, wussten Juden, Christen und Muslime im Mittelalter. In der Parabel von den drei Ringen streiten die Brüder jedoch über das Erbe, das sie von ihrem gemeinsamen Vater bekommen haben. Problematisch für das Verhältnis der Glaubensgemeinschaften zueinander wurden im Mittelalter nicht ihre Wahrheitsansprüche, sondern neue rechtliche Unterscheidungen zwischen Gläubigen, nur Geduldeten und Nichtgeduldeten. Die Theorien und die Gewalt, mit denen diese Ungleichheit fortlaufend begründet und aufrechterhalten wurde, militarisierten die Grenzen zwischen den Glaubenstraditionen. Damit legt das Buch eindrucksvoll eine Schicht der Religionsgeschichte frei, die vom Lavastrom der Polemik verschüttet wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2025
Dem hier rezensierenden Philosophen Dag Nikolaus Hasse zufolge hat Dorothea Weltecke ein ungemein aufschlussreiches Buch über Religion im Mittelalter geschrieben - das allerdings auch ein paar Schwächen aufweist. Weltecke zeichnet nach wie das Christentum, der Islam und das Judentum in dieser Phase der Weltgeschichte größtenteils friedlich nebeneinander existierten, obwohl gleichzeitig hierarchische Strukturen das interreligiöse Sozialleben prägten. Gut gefällt Hasse, dass Weltecke dieses Bild nicht als ein eurozentrisches entwirft, ganz im Gegenteil ist Europa hier eher Teil der Peripherie, was sich etwa anhand dreier Reisen ausgewählter Angehöriger der drei Religionen nachweisen lässt, die die Autorin im ersten Teil des Buches rekonstruiert. Schließlich geht es unter anderem um die Ringparabeln, die dem Buch auch den Titel geben sowie um Erbauungsschriften, und religiöse Gedanken zu Glaubensansprüchen. So weit so bereichernd, findet der Kritiker, der allerdings anmerkt, dass Weltecke ihren Anspruch, zeigen zu wollen, wie am Ende des Mittelalters das Nebeneinander sich zu einem Gegensatz einzelner Glaubenstraditionen verhärtet, nicht einlösen kann. Das gilt höchstens für das christliche Europa, nicht jedoch für das Osmanische Reich, wendet er ein. Auch, dass die "Verrechtlichung" der Beziehungen zwischen den Glaubenstraditionen von Weltecke nur als zerstörerische Kraft, nicht jedoch als Ermöglichung des friedlichen Miteinanders der Religionen betrachtet wird, irritiert den insgesamt vom Buch freilich durchaus beeindruckten Rezensenten.
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