Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Martina Jakobson. Die Pappel entläßt ihre Flocken, tropfenschwerer Tau, ein Kügelchen Flüssigkeit im Leib des Falters und das Wort, das durch die Steppe streift - mit Arsenij Tarkowskijs Poesie schlagen wir das Buch der ewigen Wunder auf und treten ein in den "weißen, weißen Tag". Traum und Wirklichkeit, Sinn, Vergeblichkeit und das Ewige, die Erinnerung an die Kindheit und an eine geheime Liebe, an "jene, die er zärtlich und unglücklich liebte" - das sind Themen des bedeutenden russischen Dichters Arsenij Tarkowskij (1907-1989). Weltweite Bekanntheit erlangte er durch die Filme seines Sohnes, des russischen Filmregisseurs Andrej Tarkowskij, der in seinen Filmen einzelne Gedichte zitiert. In der Edition Rugerup erscheint erstmals eine zweisprachige Auswahl aus dem umfangreichen Werk in neuer Übertragung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2014
Mit dem nun im Deutschen erschienenen Band "Reglose Hirsche" lässt sich einer der beeindruckendsten russischen Dichter entdecken, verspricht Rezensentin Ilma Rakusa. Im Werk Arsenij Tarkowskijs findet die Kritikerin die gleiche Ästhetik wie bei seinem Sohn, dem Filmemacher Andreij Tarkowskij, dessen Filme von Erinnerungen, Kindheitsvisionen, Fantasie und Wirklichkeit erzählen. Derart eingestimmt taucht Rakusa in diesen prächtigen Band ein, blickt mit dem Dichter zurück auf seine Kriegserlebnisse, trauert um den Verlust der Familie, die er früh verlassen hatte, und erlebt Momente leisen, manchmal nur kurzen Glücks, etwa in dem Widmungsgedicht an die Geliebte Marina Zwetajewa. Kraft und Zartheit liegen dabei stets eng beseisammen, betont Rakusa und zitiert: "Die Kerze flackert gelb im Wind / und ertrinkt im Wachs. / Ein Atemzug waren du und ich, / die Seele brennt, der Leib schmilzt." Glücklicherweise sind die elegischen Gedichte zweisprachig erschienen, meint die Rezensentin, denn bisweilen erscheinen ihr die Abweichungen der Übersetzerin Martina Jakobson doch etwas zu groß.
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