Arvid Schors

Doppelter Boden

Die SALT-Verhandlungen 1963-1979
Cover: Doppelter Boden
Wallstein Verlag, Göttingen 2016
ISBN 9783835318144
Gebunden, 530 Seiten, 46,00 EUR

Klappentext

Erstmals werden die atomaren Rüstungskontrollverhandlungen des Kalten Krieges als Verständigungsprozess zwischen den Supermächten analysiert. 1969 begannen mit den Strategic Arms Limitation Talks (SALT) zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR die ersten Verhandlungen über die Kontrolle der atomaren Vernichtungswaffen. Ihre vertraglich fixierten Ergebnisse wurden von Zeitgenossen als unzureichend und enttäuschend bezeichnet. Arvid Schors zeigt jedoch erstmals, dass nicht die formellen Ergebnisse, sondern die Verhandlungen selbst das Entscheidende waren. Zuvor galt weitgehend als ausgeschlossen, dass Verhandlungen über die ideologischen Barrieren des Kalten Kriegs hinweg über die Begrenzung der zerstörungsmächtigsten Waffensysteme der Geschichte überhaupt möglich waren. Der Autor analysiert, wie die Experten, Diplomaten und Spitzenpolitiker der Supermächte nach vielen Blockaden allmählich zueinander Vertrauen fassten und die Position der Gegenseite zu verstehen lernten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2017

Eckart Conze blickt mit Schaudern auf die Logik der nuklearen Abschreckung zurück, und erinnert all jene, die die Ordnung des Kalten Kriegs vermissen daran, dass die vermeintliche Stabilität auf der wechselseitigen Vernichtungsdrohung basierte - MAD wurde die Politik der "mutual assured destruction" sinnigerweise abgekürzt. In seiner Studie zu den SALT-Verträgen nimmt sich der Historiker Arvid Schors die Rüstungskontrollverhandlungen vor, die in den siebziger und achtziger Jahren gern als "nukleare Erbsenzählerei" verspottet wurden, weil sie nicht auf eine Reduktion des Atomwaffenarsenals zielten, sondern nur auf Obergrenzen. Schors zeigt dem Rezensenten jedoch, dass es bei den Verhandlungen nicht nur auf die Vertragsdetails ankam, sondern auf das Vertrauensklima, die gemeinsame Sprache und das daraus erwachsene gegenseitige Verständnis.

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