Selten dürfte eine Dissertation so lange auf ihre Veröffentlichung gewartet haben: Im Dezember 1953 promovierte die 25jährige Germanistin Astrid Claes bei Richard Alewyn an der Universität Köln mit einer Arbeit über den lyrischen Sprachstil Gottfried Benns. Zwar lobte Benn in seinem bald einsetzenden Briefwechsel mit der jungen Frau die erste wissenschaftliche Arbeit über sein lyrisches Werk als »ganz erstaunlich«, die Methode als geradezu »mathematisch« - doch erblickte die Untersuchung nie das Licht der Öffentlichkeit. Dies war um so bedauerlicher, als die Autorin sich den komplexen Gedichten Benns mit Hilfe eines ganz eigenständigen Verfahrens nähert und dabei zu noch heute gültigen Ergebnissen gelangt. Die minutiöse Lektüre und Wortfeldanalyse von Benns Lyrik läßt den übergeordneten Motivzusammenhang dieses vielleicht wichtigsten Gedichtkorpus der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts hervortreten - auch eine kleine wissenschaftliche Sensation.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2004
Gottfried Benn, der 26 Jahre lang kein einziges Gedicht veröffentlichte, verteilte ein, so scheint es, etwas süffisantes Lob, als vor nunmehr fünfzig Jahren diese Dissertation über sein Werk las: "Eine interessante Methode", schrieb er an die Autorin, wenn auch etwas "mathematisch". Was er meinte, ist "sks" zufolge Gehlhoff-Claes? Unterteilung des Benn'schen Gedichtwerkes in die Epochen vor und nach dem "langen Schweigen", um die Gedichte dann systematisch "nach Motiven, Metaphern, Sätzen, Wortverbindungen und Einzelworten" vergleichend unter die Lupe zu nehmen. "Sks" findet das "durchaus erhellend" und applaudiert der späten Veröffentlichung.
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