Aus dem Englischen von Anna Winterberg. Laila wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts von ihren bigotten Tanten im Haushalt ihres Großvaters großgezogen. Mit 15 Jahren zieht sie zu ihrem liberalen, aber strengen Onkel in die Provinzhauptstadt Lucknow. Dort erlebt sie, wie sich in den dreißiger Jahren der Unabhängigkeitskampf Indiens verschärft. Während sich ihre Verwandten und Freunde von der Universität vorwiegend mit der "großen" Politik beschäftigen, führt Laila ihren persönlichen Unabhängigkeitskampf. Sie befreit sich aus der Enge ihrer traditionellen Umgebung und heiratet einen Mann, den ihre Familie nicht für sie vorgesehen hat. Ein autobiografisch gefärbter Roman von einer der ersten indischen Journalistinnen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2007
Eine "poetisch-exakte Milieustudie" über den Vorabend der indischen Unabhängigkeit sieht Angela Schader in diesem 1961 erschienenen Roman der indischen Schriftstellerin Attia Hosain, der nun auf Deutsch vorliegt. Sie versteht den autobiografisch gefärbten Roman als Spiegelbild der indischen Gesellschaft, in dem zahlreiche Probleme und Fragestellungen zur Sprache kommen. Gleichwohl verfällt das Werk nach Ansicht Schaders niemals der "Schwerfälligkeit und Dürre des Thesenromans". Im Gegenteil. Sie lobt Hosains elegante Verwebung der Themen, die subtile Schilderung verschiedener Milieus und Generation, zwischen den die Autorin "organisch" wechsle, und ihre souveräne Figurenführung. Überzeugend scheinen ihr auch die Dialoge, in denen die Autorin die mit den indischen Unabhängigkeitsbestrebungen verbundenen Hoffnungen und Ängste offen legt, und die "facettenreich" dargestellten Frauenschicksale. Die "größte poetische Dichte" erreicht der Roman nach Ansicht Schaders im letzten Abschnitt des Buchs, wo die Hoffnungen und Illusionen des Befreiungskampfes weggefegt sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Dieser zum Teil autobiografische Roman von Attia Hosain erzählt die Geschichte der aus der muslimischen Oberschicht Indiens stammenden Laila, verrät Nicola Roeb. Die üppigen Beschreibungen und bunten Details, mit der die Autorin die indische Welt der 30er und 40er Jahre schildert, ergeben die Hintergrundkulisse, vor der Hosain die gesellschaftspolitische Situation skizziert, die das Leben der Protagonistin maßgeblich bestimmt, so die Rezensentin durchaus eingenommen. Weniger ansprechend findet sie den Hang der Autorin zu Pathos und Gefühlsduselei, was das Buch mitunter gefährlich nahe am Kitsch segeln lässt, wie Roeb kritisiert. Wäre da nicht der politische Hintergrund - Laila erlebt die Teilung des Landes und wagt den Ausbruch aus einem vorbestimmten Leben als Ehefrau - müsste man dem Roman wohl das Etikett Trivialroman aufkleben, so die Rezensentin nicht gänzlich zufrieden.
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