Herausgegeben und mit einem Nachwort von Alexander Kosenina. August Gottlieb Meißner begründet mit seinen Kriminalgeschichten ein neues Genre. Verbrechensdarstellungen waren zwar schon in der Frühen Neuzeit durch Sensationsjournalismus und zahlreiche exemplarische Sammlungen von Rechtsfällen beliebt; die naturrechtliche Trennung von "gesetzlicher und moralischer Zurechnung" einer Tat machen aber erst Meißners Erzählungen seit 1778 literarisch fruchtbar. Das bedeutet eine deutliche Verlagerung des Interesses von der Tat und Bestrafung zu deren psychologischer und sozialer Herleitung. Was Schiller später fordert, verwirklicht bereits Meißner: Der Leser wird mit dem kriminellen Helden bekannt, bevor dieser handelt, er lernt dessen Motivationen und Umstände kennen und vermag so "selbst zu Gericht zu sitzen" und "tiefere Blicke in das Menschenherz zu tun".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2004
Nach Meinung des Rezensenten mit dem Kürzel lmue liefert dieses Buch mit kriminalistischen Fallbeispielen einen guten Einblick in eine andere Welt, nämlich "in den Alltag des 18. Jahrhunderts, in den nicht selten düsteren Hintergrund der Projekte zur 'Verbesserung der Strafen'". Der Mann, der die Fälle seinerzeit als "Skizzen" dokumentierte, war der Jurist und Ästhetikprofessors August Gottlieb Meißner. Allzu genau nahm es Meißner nicht mit der Faktenlage, "manches Faktum nach den Gesetzen gefälligen Erzählens überformt". Das tut jedoch in den Augen des Rezensenten dem Erkenntniswert dieser Textsammlung keinen Abbruch. Aus heutiger Sicht belegt nach Meinung des Rezensenten diese "sorgfältig edierte, mit einem erhellenden Nachwort versehene Auswahl aus den 'Skizzen' Pionierrolle Meißners bei der Fusion von juristischer Fallgeschichte und Seelengeschichtsschreibung." Meißner beschreibt zum Beispiel den Fall eines Schäfer, der aus einem religiös motivierten Wahn heraus seine Söhne umbrachte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2003
Schon im 18. Jahrhundert waren Krimis außerordentlich populär. Reißenden Absatz fanden vor allem die Kriminalgeschichten von August Gottlieb Meissner, der, heute weitgehend vergessen, als Begründers des Genres gilt. Um so erfreuter zeigt sich der "upj." zeichnende Rezensent darüber, dass nun, anlässlich des 250. Geburtstag Meissners, eine Auswahl von zwölf seiner Kriminalgeschichten erschienen ist. Wie der Rezensent berichtet, handelt es sich dabei um echte "Straßenfeger" mit Titeln wie "Mord aus Schwärmerey" oder "Blutschänder, Feueranleger und Mörder zugleich". Ein Lob geht auch an Alexander Kosenina für sein "kundiges" Nachwort.
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