Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Manfred Gsteiger. Im Labor seines abgeschiedenen Landsitzes Manlo Park, umgeben von seltsamen Gerätschaften, brütet der legendäre Forscher Thomas Edison über neuen Erfindungen. Zu dem Wissenschaftler kommt der englische Lord Ewald und klagt ihm sein Leid: Er ist unsterblich in eine junge Sängerin verliebt. Deren Körper gleicht zwar der Venus von Milo, aber ihre Seele ist so platt-gewöhnlich, dass der romantisch veranlagte Lord diese Diskrepanz nicht zu ertragen vermag. Edison bietet seine Hilfe an. Er will dem Gast einen menschlichen Automaten erschaffen, der dessen Wunschbild von der idealen Geliebten in jeder Hinsicht gerecht wird. Ein absonderliches Experiment beginnt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2004
Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet kommt das Buch des französischen Romanciers Villiers de l'Isle-Adam daher wie "eine schnöde Männerphantasie", warnt Rezensent Thomas Laux. Der Roman aus dem 19. Jahrhundert erzählt die Geschichte eines Erfinders, dem es gelingt, den perfekten Frauenkörper mit einem ebenso perfekten Geist in einer Art Menschenmaschine zu vereinen - eine Vorstellung, die überzeugten Feministinnen "die Haare zu Berge stehen" lassen wird. Doch auf den zweiten Blick begreift man, dass de l'Isle-Adam auf "recht spannendem Niveau" die Frage nach einer möglichen Synthese von Körper und Geist diskutiert. Trotz seines "Lobgesangs auf die Künstlichkeit" fühle man sich erinnert an die Fragen der heutigen Medizin und Gentechnik, was den Roman "unglaublich modern" erscheinen lässt. Interessant auch, dass der Autor den Leser teilhaben lässt an jedem Moment des Schaffensprozesses der perfekten Frau. Ein Buch voller "atemberaubender Reflexionen".
Einfach zum Träumen findet Rolf Vollmann das Buch von August Villiers de L'Isle-Adam, der auf "versponnene", aber brillante Art Geschichten von Melancholie und Liebe erzähle, aber auch vom Streben des Menschen, Gott ähnlich zu werden. Dem Autor gelinge es, diese Thematik auf einem Niveau zu diskutieren, das die heutige Gesellschaft mangels "handfester Metaphysik" nicht mehr erreichen könne. Der Leser werde hineingezogen in eine "wunderbar verwirrende" Mischung aus Essays und "erzählerischen Erfindungen", die sich der Rezensent auch sehr gut verfilmt vorstellen kann. So schön fand er das Buch, dass er sich fragt, wer ihm das eigentlich "bislang vorenthalten" konnte.
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