Herausgegeben und aus dem Französischen von Rudolf v. Bitter. Journalisten? Hohle Schwätzer und vorlaute Kläffer! Zeitungsmacher? Elende Opportunisten! Kritiker? Perfide Ignoranten! Für Balzac waren Presseleute so ziemlich das Letzte. Die Herren von der schreibenden Zunft haben in Balzacs Augen samt und sonders etwas maliziös Wankelmütiges, sind offen korrupt oder von eherner Prinzipienlosigkeit. Angelehnt an die zoologische Artenbestimmung knöpft er sich in seiner Typenlehre nun sämtliche Gestalten der Pressewelt vor: den Leitartikler, den Vulgarisator, das Faktotum, den Lobhudler, den Monothematiker, den Sektierer, den Mann fürs Grobe und was sonst alles über die Flure von Zeitungsredaktionen kreucht und fleucht. Die kritische Inventur des modernen Journalismus ist ein origineller Sidekick in der aktuellen Debatte um die Rolle der Medien. Ergänzt wird die heitere Philippika durch Balzacs Appell an Schriftsteller, ihr Urheberrecht zu verteidigen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2016
Der Begriff "Lügenpresse" mag neu sein, der Vorwurf jedoch ist quasi so alt wie der moderne Journalismus selbst, erfahren wir von Rezensentin Franziska Meier. Wer nicht glaubt, dass er auch schon zu Zeiten der Französischen Revolution bestand, könne sich selbst in der von Rudolf von Bitter neu herausgegebenen Typenlehre der Presse Honoré de Balzacs und den ergänzenden Artikeln überzeugen. Balzacs Gattungslehre der Journaille speist sich aus zahlreichen eigenen Erfahrungen mit der Presse, lesen wir, und sind daher zwar typisch für ihre Entstehungszeit, aber nicht darin verhaftet. Die "komisch-groben Überzeichnungen" sind auch ein Genuss für den heutigen Leser und sie lassen Meier erahnen, was für eine Wut sich über die Jahre in dem Romancier angestaut haben muss angesichts der Macht der Schreiberlinge und ihrer Verrisse, die auch seine Bücher betrafen. Schade findet die Rezensentin nur, dass eben jene äußerst unterhaltsamen Verrisse keinen Eingang in das sonst so gut angelegte Bändchen gefunden haben.
Marc Reichwein fürchtet sich vor diesem Werk Honore de Balzacs, das mit 173 Jahren Verspätung erstmals auf Deutsch erscheint. Warum? Weil der Schriftsteller hier - nicht untypisch für dessen ordnungsliebende Zeit - eine Typenlehre der Pariser Journaille liefert, die vom mächtigen Kämmerling über den Schönschreiber, Monothematiker, Lobhudler bis zum Zeilenangler alle Varietäten von Journalisten erfasst und mit Spott bedenkt. Und doch hat der Kritiker das von Balzac-Forschern mühsam über Jahrzehnte zusammengestellte Werk, dessen Texte meist in der Presse erschienen, mit Lust und Gewinn gelesen: Nicht zuletzt, weil er hier lernt, wie schlecht der Ruf von Journalisten bereits im 19. Jahrhundert gewesen ist.
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