Aurel Kolnai

Ekel Hochmut Hass

Zur Phänomenologie feindlicher Gefühle

Klappentext

Aurel Kolnai (1900 - 1973), ein deutschsprachiger Philosoph jüdischer Herkunft, der in der Tradition der Phänomenologie Husserls und Schelers groß wurde und nach seinem Exil in Nordamerika an der Universität Oxford lehrte, ist mit seinen Studien zu Gefühlen der Aversion zu spätem Ruhm in der analytischen Philosophie Englands gelangt. Die hier versammelten Beiträge über den Ekel, den Hass und den Hochmut zeigen einen Autor, der die herkömmliche Kluft zwischen kontinentaler und analytischer Tradition spielerisch überwindet, indem er in phänomenologischer Einstellung die Struktur und den Gehalt feindlicher Gefühle skrupulös erkundet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2008

Wolfgang Sofsky würdigt Aurel Kolnai als bedeutenden Intellektuellen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und freut sich, dass der Autor mit dieser Phänomenologie der Gefühle Ekel, Hochmut und Hass wieder mehr ins Bewusstsein gerückt wird. Drei Texte aus den Jahren 1929 bis 1935 versammelt der Band und belegt damit imponierend, was eine Phänomenologie der Gefühle zu leisten imstande ist, lobt der Rezensent. Auch wenn ihm der Ton mitunter etwas zu "altväterlich" erscheint, findet er Kolnais Analysen von Ekel, Hochmut und Hass alles in allem zutreffend und erhellend. Insbesondere an der Abhandlung über den Hochmut lobt Sofsky die gedankliche Klarheit, auch wenn er ein paar kleine Einwände zu Phänomenen wie dem Streber hat, den er nicht zu den Hochmütigen rechnen würde und zudem gern etwas über die Korrespondenz von Hochmut und Unterwürfigkeit gelesen hätte. Am wichtigsten erscheint dem Rezensenten Kolnais Erkenntnis, dass Hass eine Melange aus "Angst und Empörung" ist. Zudem hebt er hervor, dass der Autor Recht mit seiner Zurückweisung der gängigen These habe, Liebe und Hass seien zwei Seiten einer Medaille. Nachdrücklich lobt er auch das Porträt des Autors, das Herausgeber Axel Honeth den drei Studien beigefügt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2007

"Ältere Wissensvorräte" von erhellender Bedeutung für die Gegenwart entdeckt Harry Nutt in dieser wiederaufgelegten Aufsatzsammlung. Obgleich er Aurel Kolnai zur "phänomenologischen Schule" rechnet, will Nutt nicht so sehr auf das Akademische der Texte eingehen, sondern auf Kolnais "frischen", aufklärerischen Erklärungsansatz zu Ekel, Hochmut und Hass. Fasziniert zeigt er sich nicht nur von Kolnais freiem Geist, auch dessen "stilistische Brillanz" nimmt ihn gefangen und lässt ihn die Texte angesichts der "Wiederkehr des Religiösen" erfolgreich auf ihre Aktualität hin abklopfen und als "Fundgrube" allen Zitierfreudigen ans Herz legen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2007

Freudig begrüßt Rezensent Michael Adrian diese Ausgabe mit Aurel Kolnais (1900-1973) phänomenologischen Studien über die Gefühle Ekel, Hochmut und Hass. Zum einen, weil der Band eine Widerentdeckung dieses von der Psychoanalyse, Phänomenologie und von Max Schelers Werteethik geprägten Philosophen ermöglicht. Zum anderen, weil die hier untersuchten negativen Gefühle von der Philosophie recht stiefmütterlich behandelt werden. Kolnais phänomenologische Annäherung an diese aversiven Emotionen hat Adrian sichtlich fasziniert. Mit Blick auf Kolnais Analyse des Ekels unterstreicht er etwa die sorgfältige phänomenologische Unterscheidung von verwandten Gefühlen sowie die minutiösen Beschreibungen von Gegenständen, auf die wir mit Ekel reagieren, der beteiligten Sinne und der physiologischen Momente. Dem Autor gelingt es nach Ansicht Adrians, die "feindlichen Gefühle" Ekel, Hochmut und Hass phänomenologisch präzise zu beschreiben. Lobend äußert er sich auch über das erhellende und sehr engagierte und Nachwort von Axel Honneth.
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