Die erste umfassende Darstellung dieser staatlichen Institution, die das moderne Verständnis von Gesundheit grundlegend geprägt hat.Das Reichsgesundheitsamt war im Kaiserreich und in der Weimarer Republik die höchste medizinalpolizeiliche Zentralbehörde. Im Laufe der Jahre ent wickelte es sich von einem "Zeitschriftenauswertungsbüro" zu einer "Hochburg der Hygiene", die an der Durchsetzung der Bakteriologie und hygienischer Normen im Namen des Staates maßgeblichen Anteil hatte. Axel C. Hüntelmann untersucht die historische Entwicklung, Aufgaben und Organisation dieser ambivalenten Institution von 1876 bis 1933 im Beziehungsgeflecht zwischen Wissenschaft, Politik, Ökonomie, Verwaltung und Gesellschaft. Dabei werden Machtstrukturen, das Funktionieren von Einflussnahme, politisches Durchsetzungsvermögen und die Wirksamkeit der hierzu generierten Handlungsstrategien in den Blick genommen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2009
Sehr zufrieden ist Reiner Pommerin mit dieser Geschichte des Reichsgesundheitsamtes von 1876 bis 1933, die Axel C. Hüntelmann vorgelegt hat. Er zeichnet die Gründung dieser Behörde nach, berichtet über ihre Aufgaben und ihr Ringen um ein eigenes Profil. Die Intention des Autors sieht er darin, die Bedeutung dieser kaum wahrgenommenen Institution darzulegen und ihr zudem eine "staatstragende Rolle" zuzuweisen. Ersteres gelingt Hüntelmann nach Ansicht Pommerins auch sehr gut. Den Nachweis einer "staatstragenden Rolle" hingegen bleibe der Autor schuldig. Nichtsdestoweniger hält Pommerin die Arbeit für insgesamt gelungen. Lobend äußert er sich über die kundige Einbettung der Geschichte des Reichsgesundheitsamtes in den Kontext des Modernisierungsprozesses des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in Deutschland.
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