Heinrich Böll und Helge Schneider, Neo Rauch und Rainer Werner Fassbinder: Seit 1949 hat die Kultur in der Bundesrepublik Deutschland eine Vielfalt entwickelt, wie sie keine frühere Epoche kannte. Noch nie spielten Literatur, Film, Kunst, Musik, Architektur, Design, Sport und sogar Computerspiele eine so große Rolle wie heute. Axel Schildt und Detlef Siegfried präsentieren in ihrer Kulturgeschichte die ganze Fülle des kulturellen Lebens und der Alltagskultur in Deutschland vom Kriegsende bis zur Gegenwart. Ihr reich illustriertes Buch ist große Geschichte, Nachschlagewerk und Einführung zugleich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2009
Die "Deutsche Kulturgeschichte" von 1945 bis zur Gegenwart von Axel Schildt und Detlef Siegfried findet Dirk von Petersdorffs begeisterte Zustimmung, und er ist beeindruckt von der Bandbreite der Themen. Denn von Campinggebräuchen über Schlagerkultur bis zu Gottfried Benns Lyrik oder Arnold Gehlens Gesellschaftsanalysen ist alles dabei und wird von den Verfassern präzise und mit leiser Ironie erfasst, stellt der Rezensent hingerissen fest. Und der Leser wird so manches Mal zwischen Wiedererkennen - etwa bei Erwähnung der Essecke - und Nostalgie schwanken, wenn er liest, dass 1961 die Entrichtung der Arbeitslosenversicherung wegen übervoller Kassen ausgesetzt wurde, verspricht Petersdorff zudem. Es sei eine imponierende "Syntheseleistung", die Schildt und Siegfried hier leisten und die durch eine gelungene Fotoauswahl noch gesteigert wird, preist der Rezensent. Allerdings fällt der zweite Teil gegenüber dem ersten in seinen Augen etwas ab, hier fehlt dem Rezensenten die "Weite des Blicks", und er stört sich außerdem daran, dass der Band hier unter Kultur vornehmlich "linke Kultur" versteht, die bei ihm zudem häufig in nicht sehr aussagekräftige Worthülsen gekleidet wird. Insgesamt aber ändert das nichts an seiner Beurteilung dieser Kulturgeschichte als absoluten "Schatz".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009
Ein Anspruch fehlt Rezensent Stephan Speicher bei dieser Kulturgeschichte der Nachkriegszeit fast völlig. Denn viel mehr als eine umfangreiche Kompilation von Kurzfakten sieht er darin nicht. Spöttisch bezeichnet er die Arbeit von Axel Schildt und Detlef Siegfried als "ganzen Haufen interessanter Daten", die der Aufarbeitung aber im Wesentlichen noch harren. Symptomatisch sei die beinahe konsequente Aussparung der DDR beziehungsweise später der neuen Bundesländer. Für Speicher ein Merkmal des "minimalkritischen Gestus" der beiden Autoren. Anhand der Artikel zu den Bayreuther Festspielen und May Spils Film "Zur Sache, Schätzchen" arbeitet er heraus, dass die durchschnittliche Artikellänge in diesem Buch nicht mehr als einen Satz beträgt. Die Anzahl der Artikel scheint aber umfassend - das Personenregister umfasst erstaunliche 15 Seiten, berichtet Speicher. Anstelle dieses Buches empfiehlt er schließlich Eberhard Rathgebs Kulturgeschichte.
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