Liebe in Zeiten der Diktatur: Vor dem Kino in Chongjin begegnen sich zwei junge Menschen. Bald schon entspinnt sich eine Beziehung zwischen ihnen, aber die gnadenlosen Lebensverhältnisse in Nordkorea lassen kaum Leidenschaft zu. Für das Volk hält das Regime nur härteste Entbehrungen bereit - und strikte Denkverbote. Der größte Wunsch: dem Schattenreich des "geliebten Führers" Kim Jong Il zu entfliehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.03.2010
Sehr eingenommen ist Rezensent Christan Y. Schmidt von diesem Buch über das Alltagsleben in Nordkorea von Barbara Demick. Die amerikanische Journalistin hat nach seinen Angaben dafür über Hundert Flüchtlinge befragt, vor allem ehemalige Bewohner der Hafenstadt Chongjin, die von der großen Hungersnot Mitte der 1990er Jahre besonders stark betroffen war. Er attestiert der Autorin, ergreifende Einzelschicksale gekonnt mit Hintergrundinformation zu verbinden. Die Schilderung des alltäglichen Leben der Menschen, des Entstehens großer privater Märkte, der Suche nach Essbaren, der Fluchtversuche scheint Schmidt schlicht brillant. Bisweilen hat er das Gefühl, "kein Sachbuch, sondern einen Roman zu lesen". Zugleich betrachtet er Demicks dramatische Aufbereitung des Stoffs auch kritisch und weist auf eine kleine Abweichung von der Realität hin, um letztlich aber einzuräumen, dass man nicht zu pedantisch sein sollte. Wie auch immer: für ihn kommt momentan kein Buch auf dem deutschsprachigen Buchmarkt dem nordkoreanischen Alltagsleben näher als dieses.
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