Barbara Kingsolver

Demon Copperhead

Roman
Cover: Demon Copperhead
dtv, München 2024
ISBN 9783423283960
Gebunden, 864 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Ein Trailer in den Wäldern Virginias. Das Land der Tabakfarmer und Schwarzbrenner, der "Hillbilly-Cadillac"-Stoßstangenaufkleber an rostigen Pickups, aufgegeben von sämtlichen Superhelden und dem Rest der Nation. Hier kommt Demon Copperhead zur Welt - die Mutter ist noch ein Teenie und frisch auf Entzug, der Vater tot. Ein Junge mit kupferroten Haaren, großer Klappe und einem zähen Überlebenswillen, trotz allem, was das Leben für ihn bereithält: Armut, Pflegefamilien, Drogensucht, erste Liebe und unermesslichen Verlust.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2024

Rezensent Harald Hordych zeigt sich sehr beeindruckt von Barbara Kingsolvers neuem Roman. Auf 800 Seiten entfaltet die Autorin, so Hordych, ein Panorama des Aufwachsens im US-amerikanischen Unterschichtenmilieu, genauer: in einem Trailerpark in einer Kleinstadt in Virginia. Die Parallelen zum Vorbild "David Copperfield" sind, so der Rezensent, dabei leicht zu erkennen: Auch Kingsolvers Protagonist ist ein Waisenkind, denn sein Vater ist tot und seine selbst noch junge Mutter stirbt, als er elf ist, an einer Überdosis. Über die deprimierende Chancenlosigkeit, die am Beispiel von Demons ihn immer wieder in die Armut zurückstoßenden Schicksal verhandelt wird, ist Hordych zufolge nur auszuhalten, weil die Autorin mit Leichtigkeit, pointiert und doch einfühlsam, erzählt. Zugleich rutscht der Roman ihm zufolge, auch wo er Mut und Hoffnung aufblitzen lässt, nicht ins Sozialkitschige. Und so macht die Lektüre dieses von Dirk van Gunsteren ins Deutsche übertragenen Textes, schließt der Rezensent, trotz aller Sozialkritik großen Spaß.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2024

Rezensent Kai Sina findet Barbara Kingsolvers groß angelegten Gesellschaftsroman insgesamt ganz okay, die Auszeichnung mit dem Pulitzerpreis scheint ihm allerdings etwas großzügig. Es geht darin um den stufenweisen Absturz eines Waisen, der in den 1990er und frühen 2000er Jahren in ärmlichen Verhältnissen im amerikanischen Virginia aufwächst und der Opioidsucht und Drogenkriminalität verfällt - bevor er sich überraschend doch wieder aufrappelt. Dass es der in den USA bereits etablierten, hier noch wenig bekannten Autorin gelinge, das soziale Elend in den Appalachen in "beinhartem Realismus" zu beschreiben und dabei mit genügend selbstreflexiven Ebenen zu versehen (Anspielungen etwa auf Dickens oder die Rahmung als Therapiebericht), dass der Roman nicht als bemitleidenswerter Augenzeugenbericht von ganz unten zur Erbauung einer "bürgerlichen" Leserschaft missbraucht werden könne, erkennt der Kritiker an. Auch, wie Kingsolver die sozialen Zustände in der Gegend "(regional-)historisch" herleite, findet Sina spannend. Insgesamt jedoch ein nach Schema F gebauter, für seinen Stoff zu langer Roman, schließt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.03.2024

Gut gemacht ist dieses Buch, aber gleichwohl fragwürdig - so urteilt Rezensent Hannes Stein über Barbara Kingsolvers Roman, der Charles Dickens' "David Copperfield" in die Gegenwart versetzt, und zwar indie amerikanischen Appalachen, wo viele sozial abgehängte, drogengebeutelte, Trump-wählende Weiße wohnen. Eng bleibt die Autorin an der Vorlage, so Stein, und sprachlich ist vieles sehr gelungen. Allein: Wenn Kingsolver die Bewohner der Appalachen mit historisch verfolgten Gruppierungen vergleicht, möchte Stein ihr keineswegs zustimmen. Auch ist der Rezensent der Ansicht, dass Kingsolver die mythische Dimension der Dickens-Vorlage verkennt und letztlich nur eine technisch hervorragend ausgestaltete Reportage vorlegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.02.2024

Gar nicht mehr weglegen möchte Rezensentin Petra Pluwatsch Barbara Kingsolvers Buch, dessen Titelfigur in Lee County, Virginia aufwächst, in einem sozial abgehängten ländlichen Milieu, über das sich viele in den USA lustig machen. Sein Vater ist tot und seine Mutter, lernen wir, drogenabhängig, und auch er selbst hat es nicht leicht, wird süchtig und kommt erst nach vielen Mühen vom Stoff los. Pluwatsch ist äußerst angetan von der frech-ironischen Sprache des Buchs, in der neben Demon Copperhead noch andere interessante Figuren beschrieben werden. Charles Dickens' "David Copperfield" steht offensichtlich Pate, aber Kingsolvers süchtig machendes Buch steht, stellt die Rezensentin klar, auf eigenen Beinen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.02.2024

Rezensent Christoph Schröder hätte sich von Barbara Kingsolver etwas mehr Vertrauen in ihre eigene Geschichte gewünscht. Dass die Autorin ihre Story über einen unter schwierigsten Verhältnissen aufwachsenden Waisenjungen in den Appalachen Mitte der 1980er Jahre bezüglich Plot und Figurenkonstellation so exakt an Dickens "David Copperfield" anlehnt, macht die Lektüre nämlich recht überraschungsarm, stellt Schröder fest. Bei einem Roman von über 800 Seiten ein echtes Problem, zumal der Text, wann immer er auf "eigenen Füßen steht", durchaus Potenzial erkennen lässt, findet er. Kingsolvers Landschaftsbeschreibungen etwa erscheinen ihm stark. Der Leser sollte etwas Geduld in dieses Buch investieren, rät Schröder versöhnlich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.02.2024

Wirklich glücklich wird Rezensent Eberhard Rathgeb nicht mit Barbara Kingsolvers Buch, das die Lebensgeschichte eines Jungen erzählt, der in den USA in einer ländlichen, von Armut, Drogenmissbrauch und Verfall geprägten Gegend aufwächst. Wie schon der Titel nahelegt, schließt der Roman in gewisser Hinsicht an Dickens' "David Copperfield" an, wobei es auch Unterschiede gibt: so wird die Titelfigur bei Kingsolver zum Beispiel nicht Schriftsteller, sondern Comicautor werden. Hier setzt auch schon Rathgebs Kritik an, der anerkennt, dass die knallige Comicsprache und ihre Zuspitzungen einen gewissen Reiz haben; nur leider, so der Einwand, beißt sie sich mit der epischen Romanform, die Kingsolver eben auch bedient. Ansonsten hätte der Rezensent sich gewünscht, dass die Autorin sich stärker von der Vorlage löst, etwa mithilfe einer weiblichen Hauptfigur. So bleibt das, heißt es weiter, ein arg klassischer Jungsroman, und auch mit der Beschreibung des Provinzelends, das dem Leser doch vor allem zur Unterhaltung dargeboten wird, kann sich Rathgeb nicht anfreunden. Einigermaßen glaubwürdig ist das ja alles, konzediert er, aber letztlich wird die Lesefreude aufs Daumendrücken für den Protagonisten reduziert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.02.2024

Mit Barbara Kingsolvers neuem Buch liest Rezensent Rainer Moritz einen "scharfsinnigen Sozialroman": Ihn erinnert die Geschichte um den rothaarigen, in prekären Verhältnissen aufwachsenden titelgebenden Demon Copperhead stark an Charles Dickens. Mit ihm kann es Kingsolver durchaus aufnehmen, versichert er, ihr Protagonist wächst in den 1990er Jahren in einem Trailerpark auf, sein Vater ist tot, die Mutter drogenabhängig, ein Schicksal, das er später teilen wird. Die Schwierigkeiten, die sich ihm den Weg legen, werden von der Autorin aber nicht zu anprangernden Klagen zusammengerafft, sondern zu einem in allen Sinnen vielseitigen Roman gemacht, der von Dirk von Gunsteren zudem bravourös übersetzt wurde, lobt der zufriedene Kritiker.

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