"Held" heißt die Hauptperson von Romanen weithin, und diese Benennung ist durchaus problematisch. So problematisch wie viele Romanfiguren selbst, die oft allenfalls demontierte Helden sind, gebrochen, mehrdeutig, zerrissen erscheinen, "Problematische Naturen" eben, wie sie der bekannte Romantitel von Friedrich Spielhagen explitzit benennt. Wie verhalten sich im Zeitalter des bürgerlichen Realismus, dieser Hoch-Zeit deutscher Romanliteratur, jene unterschiedlichen Konzepte zueinander: der heroische und der bewusst unheroische Held?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2003
In ihrer Habilitationsschrift untersucht Bettina Plett Romane aus dem 19. Jahrhundert auf ihre Darstellung des Heldischen, erklärt Matthias Richter. Plett zeichne nach, wie sich die Autoren des Poetischen Realismus - Stifter, C.F. Meyer, Raabe, Vischer - von einer "glorifizierenden Darstellung" des Helden distanzierten und so den positiven Heldenbegriff entwerteten, der den Geschichtsroman prägte. Neu sind Pletts Ergebnisse jedoch nicht, meint Richter. Die Grundidee, dass große Literatur "herrschende Diskurse in Frage stellt", sei in der Literaturwissenschaft seit dreißig Jahren geläufig. Verfasst ist das in der "akademisch-spröden Diktion", die eine Habilitationsschrift für unseren Rezensenten nun mal mit sich bringt. Die Thesen selbst sind allerdings "plausibel herausgearbeitet" und gewissenhaft belegt, schiebt Richter noch ein kleines Lob nach.
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