Im Frühsommer 1796 schreibt Hölderlin an seinen Freund Neuffer: "Es giebt ein Wesen auf der Welt, woran mein Geist Jahrtausende verweilen kann und wird." - Beinahe drei Jahre lebten Friedrich Hölderlin und Suzette Gontard unter einem Dach. Suzette wird das Vorbild für die Gestalt der Diotima in Hölderlins Roman "Hyperion oder Der Eremit in Griechenland". Die Biografie von Beatrix Langner erzählt die dramatischen Konstellationen im Hause Gontard. Es sind zwei Welten, die unversöhnlich aufeinander treffen: Hölderlins Ideal der Freiheit und des Schönen und die Frankfurter Welt der Börse und der Warenkontore.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2002
Großes Lob für Beatrix Langner: "Dieses Buch wird seine Leser finden", schreibt Walter Hinck, denn mit der Biografie "Hölderlin und Diotima" sei Langner die Darstellung einer "der großen Liebestragödien unserer Kulturgeschichte" gelungen. Wobei Diotima eigentlich Suzette Gontard heiße und die Frau des Frankfurter Großkaufmanns war, in dessen Haus Hölderlin als Hofmeister arbeitete. Die Autorin erzähle diese Phase in Hölderlins Leben anschaulich und vermeide jegliche Schlüssellochperspektive, ihre Lebensbilder seien dank der Rückgriffe auf sozial- und alltagsgeschichtliche Quellen sehr farbig geraten, und sogar ihr Deutsch "lesbar". Und so kann Hinck außer einer (!) falschen Jahreszahl in dem Buch nur Gutes finden, und meint, dass man anderes gar nicht erst suchen sollte. Man gewinnt den Eindruck, dass er selbst dies - wie unromantisch! - durchaus gründlich getan hat. Aber eben erfolglos.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2002
Die Autorin ist Germanistin, der Rezensent vermutlich auch, denn ganz leise scheinen sich doch Bedenken geäußert zu haben bei ihm, angesichts der biografischen Methode, mit der sich Langner ihrem Gegenstand nähert. Sie haben sich dann allerdings, das wird schnell klar, von selbst erledigt, denn pap. ist überaus angetan von der Art, wie die wahre Geschichte der prekären Liebe zwischen Suzette Gontard und ihrem Hauslehrer Hölderlin erzählt wird. Anders als Peter Härtling in seinem Hölderlin-Buch gerate die Verfasserin nie in Gefahr, den Dichter allzusehr zu vereinnahmen, die Recherche findet pap. "fein gewoben", das Buch selbst "anmutig". Er bescheinigt Langner eine Reihe von Tugenden, nämlich "Stil, Takt, Sinn fürs signifikante Detail". Die Schwächen, die das Buch als "Zeitgemälde" haben mag, werden, wie er betont, von der Darstellung des "Lebensgefühls" der Frühromantik allemal aufgewogen.
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