Bela B Felsenheimer

Scharnow

Roman
Cover: Scharnow
Heyne Verlag, München 2019
ISBN 9783453271364
Gebunden, 416 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

In Scharnow, einem Dorf nördlich von Berlin, ist der Hund begraben. Scheinbar. Tatsächlich wird hier gerade die Welt gewendet: Schützen liegen auf der Lauer, um die Agenten einer Universalmacht zu vernichten, mordlustige Bücher richten blutige Verheerung an, und mittendrin hat ein Pakt der Glücklichen plötzlich kein Bier mehr. Wenn sich dann ein syrischer Praktikant für ein Mangamädchen stark macht, ist auch die Liebe nicht weit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2019

Rezensent Kai Spanke bekommt Lust aufs Land mit Bela B Felsenheimers Roman. Dass der Ärzte-Mann als Autor keine Lust hat, sich stilistisch oder thematisch festlegen zu lassen, wundert Spanke nicht. Umso erstaunter scheint er, wenn er in Felsenheimers Dorfgeschichte um lauter durchgeknallte Charaktere auf Genreelemente aus Komik, Sci-Fi, Horror und Thriller trifft und auf eine ordentliche personale Erzählweise. Eine einfallsreich episodisch gestaltete, durchaus literarische Leistungsschau der Absurditäten, findet Spanke, von einem Autor, der mit viel Disziplin seine Undiszipliniertheit pflegt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.04.2019

Janne Knödler hat Sympathien für Bela B Felsenheimers Art zu erzählen. Dass der Autor im Grunde nicht literarisch schreiben, weder Handlung noch glaubwürdige Figuren zeichnen kann und auf Verhaltensanalyse und die Gefühle seiner Leser pfeift, vermerkt Knödler zwar, blendet es aber immer wieder großzügig aus und lobt das Buch für sein Unterhaltungspotenzial. Ein durchgeknalltes Dorf in Brandenburg, 30 Protagonisten, jede Menge Tempo, Pulp, Blut, Sex und frei flottierende Gehirnmasse plus die laut Knödler höchst zeitgemäße Assoziationskunst des Autors ergeben für die Rezensentin eine durchaus lustige Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.04.2019

Marcus Weingärtner leitet seine Rezension mit einem ausgedehnten Lobgesang auf Bela B.'s Musikerkarriere mit den Ärzten ein. Deren Musik war nämlich laut Weingärtner von einem manchmal bizarren Humor geprägt, dem er stellenweise auch in "Scharnow" begegnet. Scharnow ist ein fiktives Dörfchen in Brandenburg, wo sich in der Vorstellung des Autors Rentner und Verschwörungstheoretiker zwischen Plattenbauten und jenseits allen guten Geschmacks gute Nacht sagen, lesen wir. Glücklicherweise verbietet sich Felsenheimer den typischen Hohn der Städter, so Weingärtner, der die Beobachtungen des Autors feinfühlig, manchmal fast "liebevoll" findet. Man merke eben: Felsenheimer habe ein großes Herz für die Außenseiter, so groß, dass er gleich fünfzig davon einführt, die miteinander im Clinch liegen. Leider trägt das auf die Dauer nicht, der Witz flaut ab, die Story läuft leer, erkennt der am Ende doch etwas enttäuschte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.02.2019

Hannah Lühmann ist derart gefesselt von Bela B Felsenheimers Vermarktungskunst, dass sie den kritischen Blick auf den Debütroman des Ärzte-Sängers fast vergisst. Um eine gut erzählte Geschichte voller Kalauer und Figuren handelt es sich, stellt sie etwas unbeholfen fest. Die Handlung lässt sich laut Lühmann kaum zusammenfassen, irgendwas mit jungen Männern, die sich besaufen zwischen Supermarkt und Wohnblock in einem Brandenburger Dorf namens Scharnow. Aha. Das alles scheint Lühmann immerhin so schön retro und pubertär und wegen der Bezüge zu Rechtsextremismus, Verschwörungstheoretischem und syrischen Menschen auch so gegenwärtig, dass sie es einfach zeitlos gut finden muss.

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