Benoite Groult

Vom Fischen und von der Liebe

Mein irisches Tagebuch (1977-2003)
Cover: Vom Fischen und von der Liebe
Ullstein Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783550050961
Gebunden, 400 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky. Sechsundzwanzig Sommer lang führte Benoîte Groult in Irland Tagebuch, wo sie mit ihrem Mann, dem Autor Paul Guimard ("Die Dinge des Lebens"), ein Haus besaß. Man begegnet der französischen Schriftstellerin und feministischen Galionsfigur in diesen Aufzeichnungen aus nächster Nähe, sie lassen eine Frau erkennen, die nach etlichen Umwegen und Verletzungen zu sich selbst gefunden hat - eine sehr freie Frau, auch nach heutigen Maßstäben. Unbefangen schreibt Groult über geistiges und sinnliches Begehren, über ihre jahrzehntelange Ménage à trois, an der sich ihr Weltbestseller "Salz auf unserer Haut" inspirierte. Zu den schönsten, wenngleich wehmütigsten Momenten des Buches gehören die Gedanken der Autorin in Bezug auf das Älterwerden: das als schmerzhaft empfundene Missverhältnis zwischen abnehmender Vitalität und gleichbleibendem Sehnen und Verlangen - wunderbar gespiegelt in den Passagen, die sie in der archaischen Rolle der Jägerin beim Hochseefischen zeigen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.10.2019

Rezensentin Antonia Baum sieht in Benoîte Groults Memoiren eine bessere Variante ihres berühmten Skandalromans "Salz auf unserer Haut" von 1988, ohne den zu erwähnen man ohnehin nicht über die Autorin sprechen könne, so Baum. Für den Roman, der von der unehelichen sexuellen Beziehung einer Intellektuellen zu einem Fischer handelt, diente Groults Affäre zu einem US-Piloten während ihrer Ehe zu einem Schriftsteller als Vorlage, wie die nun post mortem erschienenen, 26 Jahre umfassenden Tagebücher der Autorin zeigen. Dabei möchte die Rezensentin Groult nicht als Pornografin, sondern als Zweite-Welle-Feministin gelesen wissen, die "angenehm undogmatisch" ihr Älterwerden und das ihrer Männer dokumentiert und bedauert, so Baum. Der Rezensentin gefällt zudem, wie die Mechanismen von (ehelichen) Liebesbeziehungen freigelegt werden, wo jeder jeden verletze und benutze. Am meisten lobt Baum jedoch den Tonfall der Tagebücher, der nicht wie im Roman stellenweise kitschig sei, sondern "ambivalenter, leiser und pragmatischer", lobt Baum.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.07.2019

Vor dreißig Jahren löste Benoîte Groult einen Skandal aus mit ihrem autobiografischen Roman "Salz auf unserer Haut", der ihr Verhältnis mit einem bretonischen Fischer beschrieb, mit dem die Pariser Intellektuelle außer einer Vorliebe für leidenschaftlichen Sex nichts gemein hatte. Ein Klassiker, meint Rezensentin Edelgard Abenstein anlässlich der Wiederauflage des Romans. Daneben sind jetzt auch Tagebuchaufzeichnungen der 2016 verstorbenen Autorin erschienen: Darin erzählt sie von dem Fischer (der in Wirklichkeit ein amerikanischer Pilot mit deutsch-jüdischen Wurzeln war), ihrer offenen Ehe mit Paul, ihren Bootsausflügen in Irland und dem Altern, so die Rezensentin. Ihr gefällt gut, wie genau, ohne Sentimentalität, Groult die immer deutlicher werdende mangelnde körperliche Beweglichkeit beschreibt. Humor hilft ihr, während die beiden Männer in Depressionen zu fallen scheinen. Lesenswert, findet die Rezensentin.

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