Alte Frauen

Ullstein Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783550204265
Gebunden, 320 Seiten, 24,99
EUR
Klappentext
Alter ist kein Verschwinden, sondern ein neuer Aufbruch. Das zeigen visionäre Künstlerinnen wie Vivian Gornick, Jane Campbell, Carmen Herrera, Lucinda Childs, Isabella Ducrot oder Ulrike Edschmid. Sie haben sich neu erfunden oder einfach weitergemacht, und manchen gelang noch im hohen Alter der ganz große Durchbruch. Frei von Neid, angetrieben von Neugier, Mut und Methode, nehmen sie sich, was sie brauchen, um damit zu tun, was sie wollen. Verena Lueken hat mit ihnen gesprochen - über ihre Arbeit und ihren Alltag, ihren besonderen Blick auf das Leben und Freiheit im Alter jenseits von Jugendwahn und gesellschaftlichen Erwartungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2026
Alte Frauen kommen in der Gesellschaft quasi nicht oder nur als Problem vor, fasst Rezensentin Vanessa Fatho das Problem zusammen, das auch Verena Lueken, frühere FAZ-Kollegin der Rezensentin, zu ihrem neuen Buch geführt hat, in dem sie elf Frauen über achtzig porträtiert. Die Textilkünstlerin Isabella Ducrot hat beispielsweise erst mit über 80 das erste Mal ein Kunstwerk ausgestellt, Carmen Herrera erst mit 89 das erste Mal ein Bild verkauft, die Autorin Vivian Gornick merkt, dass im Alter die Kraft etwas nachlässt, der Wille aber vielleicht nicht, lesen wir. Jane Campell schreibt mit über 80 nach wie vor über Liebe und Sex und lässt ihre ähnlich alten Protagonistinnen das auch erleben, freut sich Fatho, die Luekens Buch für seinen klugen, feinsinnigen Umgang mit diesen hochspannenden Frauen lobt, die sie jeweils in ihrem Zuhause besucht hat. Das sorgt für Lebensnähe und Detailliertheit, so die überzeugte Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 28.11.2025
Für Rezensentin Elke Schmitter sind Verena Luekens Porträts "Alter Frauen" eine echte "Welterweiterung" und damit ein großer intellektueller Genuss. Dass Frauen mit dem Alter im Gegensatz zu Männern eher unsichtbarer werden, ist so selbstverständlich, dass sich Verena Lueken nicht lange mit diesem Umstand und seiner theoretischen Einordnung aufhalten will. Genau wie ihre Gesprächspartnerinnen konzentriert sie sich stattdessen lieber auf deren Arbeit - die Regiearbeiten etwa einer Jeanine Meerapfel, die Kunst von Carmen Herrera und Isabella Ducrot oder die Texte von Jane Campbell. Alle Karrieren, von denen Lueken erzählt, sind lang und aufhaltsam. Statt sich aber selbst zusätzlich mit Gram aufzuhalten, statt die männliche Ignoranz zur "Grunderfahrung ihres Lebens" zu machen, emanzipieren diese Frauen sich lieber davon, indem sie leben, arbeiten, erzählen. Frei von Pathos, Betroffenheit und Nostalgie, nüchtern und dennoch humorvoll schreibt die Autorin über alte Frauen, die praktizieren, immer noch und mit Freude. Die Fragen, die sich dabei immer wieder stellen, werden oft nur knapp angeschnitten, sitzen dadurch aber umso tiefer, so die Rezensentin.