Johannes hat zwei Frauen und zwei Probleme: Lisa verlässt ihn, und seine Mutter kann er nicht verlassen. Als er es fast geschafft hat, greift sie zum letzten Mittel.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2004
Bernd Schroeders Erzählung um den 57-jährigen Hallenbauer Johannes Seidel, der eines Tages plötzlich arbeitslos wird, da er für seine 83-jährige Mutter sorgen muss und deshalb seiner Firma nicht nach Brasilien folgen kann, ähnelt in ihrer einfachen und überschaubaren "Funktionalität" ein wenig einer Mehrzweckhalle, findet Rezensent Martin Krumbholz. Was durchaus als Kompliment gemeint ist, denn Schroeder habe seine Erzählbausteine "geschickt ausgewählt" und solide verarbeitet. Auf dem Fundament dieses sprachlich "knapp" gehaltenen "guten Handwerks", so der Rezensent weiter, "gedeiht eine bizarre Komik": Es kommt sozusagen zu einer neuen Firmengründung, wie schon der Titel besagt: Firma "Mutter & Sohn" oder eben "Familienbande und -pflege". Denn die alte Mutter ist nicht sonderlich angetan von ihrem Sohn und widmet sogar ihrer verstorbenen Tochter eine Art Heiligenkult, so dass sich das Zusammenleben von Mutter und Sohn eher geschäftlich erfinden muss, um überhaupt stattfinden zu können. Dabei, so der Rezensent, kommt es zu allerhand "Liebesersatzhandlungen", die sich in eine Art "Aktionismus" steigern - nicht ohne das Mitwissen der beiden Beteiligten, wie der Rezensent festhält. Wie die Geschichte endet, will er allerdings nicht verraten, nur so weit, dass die Mutter nicht ermordet wird!
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