Birk Meinhardt

Brüder und Schwestern

Die Jahre 1989-2001. Roman
Cover: Brüder und Schwestern
Carl Hanser Verlag, München 2017
ISBN 9783446252790
Gebunden, 672 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Am Morgen des 9. November 1989 fährt Erik Werchow, Bürger der DDR, mit dienstlichem Auftrag nach West-Berlin, abends soll er zurück über die Grenze. Doch in dieser Nacht braucht er keinen Pass mehr. Die Mauer ist offen. Damit verändert sich alles für die Familie Werchow, aber verändert sich auch jeder einzelne? Matti kommt buchstäblich durch Himmelsguckerei zu einem Haufen Geld. Britta driftet in die Verzweiflung, weil sie nicht mehr im Zirkus auftreten kann. Und Erik wechselt nahtlos von der sozialistischen in die kapitalistische Werbung. Birk Meinhardt erzählt die Geschichte einer Familie, die nach der Wende einen Weg in die neue Gesellschaft sucht und sich selber fremd zu werden droht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2017

Wiebke Porombka kann nur hoffen, dass Henry Hübchen eine eventuelle Verfilmung von Birk Meinhardts Familiensaga aus dem Nachwende-Osten als Schauspieler tüchtig aufpeppt. Anderenfalls besteht die Gefahr der gleichen tödlichen Langeweile, die die Rezensentin schon beim Lesen des neuesten Teils der Geschichte der Familie Werchow ereilt. Renitent ist hier leider nichts, meint sie, bloß geschwätzig. Statt mit sprachlicher Finesse beglückt zu werden, wird die Rezensentin mit behäbigem Stil geplagt. Und kein Funke nirgends. Dass der Autor auch noch fröhlich Nachwendeklischees reproduziert, setzt dem Ganzen für Porombka die Krone auf.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2017

Cornelia Geissler nennt Birk Meinhardts alten Wenderoman von vor vier Jahren ein wuchtiges Werk. Geissler meint den weiten Erzählbogen von den siebziger bis in die achtziger Jahre, mit dem der Autor den Alltag einer Familie im Thüringischen festhielt. Wenn Meinhardt nun denselben Titel noch einmal wählt und um die Jahreszahlen 1989-2001 ergänzt, blickt er stärker auf einzelne Schicksale, meint Geissler, und darauf, wie Westfirmen, Selbstfindungstrips und Mentaltrainer die Familie beeinflussen. Dass der Autor seine Figuren vor Ostalgie schützen möchte, wie die Rezensentin vermutet, und auch sonst einen eher milden Blick walten lässt, nicht Wunden, sondern Alltag erkundet, dabei detailgenau vorgeht und so einen dreifachen Entwicklungsroman vorlegt, findet Geissler höchst anerkennenswert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017

Rezensent Christoph Bartmann kann Birk Meinhardt eine gewisse Langatmigkeit und sogar Betulichkeit verzeihen, denn die Katharsis, auf die der Text laut Bartmann hinausläuft, beruht auf dem redundantem Reden der Figuren. Was Thüringer Familienpatriotismus ist, erfährt Bartmann darüber hinaus auch durch den "lebensfrohen" Realismus der Geschichte, der durch die Wende offensichtlich keinen Schaden genommen hat, wie Bartmann anhand des nun vorliegenden zweiten Teils des Romans feststellen kann. Erzählerisch und mental alles beim alten, findet Bartmann, auch wenn es die ein oder andere Figur kurz aus der Bahn wirft, wie er erklärt, und familiäre Altlasten im Verlauf aufgearbeitet werden. In literarischer Hinsicht hat der Rezensent höchstens die ein oder andere Stilblüte zu kritisieren, Gemächlichkeiten und Umständlichkeiten sind, wie erwähnt, der Erzählwelt geschuldet, findet er.

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