Bernd Stegemann, Mitinitiator und Stratege der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen", analysiert die fatalen Sackgassen linker Politik, die eine realistische Betrachtung der Welt durch aggressives Moralsieren ersetzt hat, und zeigt auf, dass die Kritik an sozialer Ungleichheit wieder ins Zentrum der Debatte gestellt werden muss. Angesichts einer polarisierten Gesellschaft wird stets Kommunikation und gegenseitiges Zuhören angemahnt. Doch wenn Ängste und Probleme angesprochen werden, wird schnell mit dem erhobenen Zeigefinger der Moral gedroht und der Ton wird schriller - jede misslungene Talkshow zeigt das ein ums andere Mal. Doch eine Moral, die fast immer nur bei Verstößen gegen Political Correctness zum Einsatz kommt und so gut wie nie Probleme mit dem Neoliberalismus hat, wird für die Linke zur Falle. Nur wenn die Linke sich von Sprechverboten verabschiedet, wird sie es schaffen, der Rechten die Diskurshoheit wieder zu entziehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2019
Harald Staun folgt Bernd Stegemann bei seiner Kritik linksliberaler Moral, stellt jedoch fest, dass der Autor sich um Genauigkeit, komplexe Zusammenhänge und Lösungen kaum schert und vor allem auf seine Gegner eindrischt, die er laut Rezensent höchst klischeehaft zeichnet und denen er den Schulterschluss mit dem Neoliberalismus vorwirft. So präzise und verständlich Staun Stegemanns Analyse der Defizite der Moralkritik findet, so wenig überzeugt ihn der Phantomkampf des Autors, der seiner Meinung an den strukturellen Ursachen gesellschaftlicher Probleme vorbeizielt.
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