Von Abschaffen über FLTI* und Lauti bis Zusammenhang: Linke wollen nicht nur alles anders machen, sie reden auch anders. Das Lexikon der Bewegungssprache umfasst 150 Begriffe der außerparlamentarischen Linken. Manche sind für Außenstehende oder Neulinge völlig unverständlich, etliche werden anders verwendet, als man erwartet, oder sind zu abstrakt, um Leute auf die Straße zu bringen. 20 Autorinnen und Autoren bemühen sich um Aufklärung, teils sachlich, teils ironisch und immer kritisch-solidarisch. Das Buch ist ein Lexikon besonderer Art. Es macht sich gar nicht erst die Mühe, den Eindruck zu erwecken, unverbrüchliche Wahrheiten und immerwährende Weisheiten zu verkünden. Es ist höchst subjektiv und damit angreifbar und trotzdem weiß man am Ende viel über das, was Linke in den vergangenen Jahrzehnten getan, gedacht und bewegt haben.
Rezensent Matthias Heine kommt schon ins Schmunzeln mit diesem von Ines Wallrodt und Niels Seibert herausgegebenen Band. Ein linkes Projekt schon insofern, meint er, als marginalisierte Wörter, wie "Hönkeln" oder "Lautis" (für Lautsprecherwagen) erläutert werden. Zwischen durchaus interessanten Details und Begriffgeschichten zu "Flüstertüte", "Dritte Welt" oder auch "Transgender" und "Heiligendamm", die ihm auch von der begrifflichen Enteignung der Linken durch Nazis erzählen, weht den Rezensenten allerdings ein Dogmatismus an der Grenze zur Selbstparodie an und er erinnert sich, dass sämtliche Artikel im Band von Autoren des "Neuen Deutschlands" stammen. Weniger didaktischer Katechismus, mehr Wörterbuch wäre ihm lieber gewesen.
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