Bernd Stöver

Zuflucht DDR

Spione und andere Übersiedler
Cover: Zuflucht DDR
C.H. Beck Verlag, München 2009
ISBN 9783406591006
Gebunden, 383 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Bis zum Mauerbau 1961 sind mehr als eine halbe Million Westdeutsche in die DDR emigriert, darunter heute so bekannte wie Stefan Heym, Wolf Biermann, Robert Havemann, Ralph Giordano, Lothar Bisky oder Ronald Schernikau. Bis zum Mauerfall 1989 waren es jedes Jahr immer noch mehrere tausend Übersiedler. Bernd Stöver beschreibt erstmals, was diese Bundesbürger bewogen hat, was sie erträumt haben, wovor sie geflohen sind und wie es ihnen im Arbeiter- und Bauernstaat ergangen ist. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei prominenten Auswanderern wie dem ersten westdeutschen Verfassungsschutzchef Otto John, den Spionen Günter Guillaume und Hans Wax, Offizieren und Politikern sowie den Terroristinnen Inge Viett und Susanne Albrecht, deren abenteuerlichen West-Ost-Biographien er auf der Grundlage von bisher unbekannten Akten von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs nachgeht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.01.2010

Biografien, wie sie nur die deutsche Teilung hervorbringen konnte, lernt Oliver Schmidt in diesem flüssig verfassten Buch von Bernd Stöver kennen. Der Umstand, dass die DDR als Ort der Zuflucht für westdeutsche Bürger bislang kaum wahrgenommen wurde, und auch die objektive, auf sorgfältigem Quellenstudium basierende Darstellung machen die Studie laut Schmidt zu etwas Besonderem. Stöver nutzt schwer zugängliches Material, Personalpapiere, Prozessakten und Unterlagen des Geheimdienstes, um zu einem umfassenden Bild zu gelangen, erklärt der Rezensent. Die detaillierte Beschreibung der vielfältigen Motive der Übersiedler von West nach Ost, die in der DDR allerdings nur selten ein dauerhaftes Glück fanden, hebt Schmidt ebenfalls lobend hervor.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2009

Für Bernd Greiner war es eine echte Neuigkeit, dass zwischen 1949 und 1989 rund eine halbe Million Westdeutsche in die DDR übergesiedelt sind. Mit Spannung hat er also Bernd Stövers gründliche Untersuchung dieses Umstands gelesen, und hat gründlich dazugelernt. Erfahren hat er zum Beispiel, dass die wenigsten aus ideologischen Gründen in den Arbeiter- und Bauernstaat rübergemacht haben, die meisten dagegen aus persönlichen oder sozialen Gründen: Verwandtschaft im Osten, verkorkste Karrieren im Westen. Die von Stöver herausgestellten prominenten Fälle findet Greiner durchaus aufschlussreich, näher beleuchtet werden etwa der Verfassungsschutzchef Otto John, der berüchtigte Günter Guillaume oder die RAF-Terroristinnen Susanne Albrecht und Inge Viett. Lieber wäre es dem Rezensenten allerdings gewesen, wenn Stöver einige durchschnittlichere Lebenswege nachgezeichnet hätte, die Greiner Einblick in den Alltag der Rübergemachten gewährt hätten.

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