Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer. Dem Kampf für den "wahren" Kommunismus widmete Leo Trotzki sein Leben. Schon als Jugendlicher schloss er sich den Revolutionären an, entwickelte später die Theorie der permanenten Revolution und begründete die straff organisierte Rote Armee. Ein atemloses Leben, immer an vorderster Front und mit vollem Risiko. Wie sein Rivale Stalin ließ er Widersacher ohne Umschweife aus dem Weg räumen und wurde dennoch nach seiner Verbannung aus der Sowjetunion zum Idol einer ganzen Generation. Um seine letzten Jahre ranken sich viele Legenden. Vor allem die Zeit in Mexiko, wo er eine Affäre mit der Malerin Frida Kahlo begann, sorgte für Aufsehen. Dem Stanford-Historiker Bertrand M. Patenaude ist auf Basis neuer Quellen ein sehr persönliches Porträt einer der kontroversesten Figuren des 20. Jahrhunderts gelungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2011
Der Historiker Gerd Koenen hat bei Bertrand Patenaude nicht zum ersten Mal die Geschichte von Trotzkis Ermordung in Mexiko gelesen, aber so spannend und detailreich, versichert er, wurde sie ihm noch nicht erzählt. Plausibel findet er, wie Patenaude erst einmal grundsätzlich erklärt, wie Trotzki, nach der Oktoberrevolution der große Stratege im russischen Bürgerkrieg, derartig in die Isolation geraten konnte. Patenaude macht dafür zwei Eigenschaften verantwortlich: Trotzkis "doktrinäre Rechthaberei" und seine Unfähigkeit, mit anderen Menschen klarzukommen. Trotzki konnte Millionen begeistern, aber seinen engsten Unterstützerkreis nicht zusammenhalten. Noch fesselnder fand Koenen allerdings dargestellt, wie Stalin sein Häschernetz um Trotzki immer enger zog. Selbst Trotzkis amerikanischer Literaturagent und der engste Mitarbeiter von Trotzkis Sohn arbeiteten für Stalin, und zumindest nach dem Mord hatte Stalin auch Frida Kahlo und Diego Riviera in der Tasche. Die "präzise Darstellung dieses Endspiels" findet Koenen so gelungen und überzeugend, dass er dem Autor die eher schwache historische Einordnung Trotzkis und des Trotzkismus verzeiht.
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