Mit einem Nachwort von Franziska Augstein. Aus dem Nachlass herausgegeben von Jerome Kohn. Übersetzt von Ursula Ludz. Vor dem Hintergrund des Eichmann-Prozesses und der "Verbrechen, die niemand für möglich gehalten hätte", denkt Hannah Arendt 1965 in einer Vorlesung über das Böse nach. Eine Ethik "nach Auschwitz" kann, so Arendt unter Bezug auf Kant, nur auf dem Denken und Erinnern gründen. Denn die größten Verbrecher sind die, die ebendies verweigern.
Für Rezensent Ludger Lütkehaus ist diese Nachlasspublikation einer Vorlesung die wichtigste Neuerscheinung des Arendt-Jahres. Trotz des "improvisierenden, fragmentarischen Stils" dieser Vorlesung, die Arendt 1965 unter dem Titel "Some Questions of Moral Philosophy" an der New Yorker School for Social Research gehalten hat, handelt es sich aus seiner Sicht hier um einen "äußerst substanziellen Text". Eine Fülle "überraschender Pointen" machen den Text für den Rezensenten außerdem zu einer "brillanten, nie langweiligen Lektüre". Das Buch habe das Format des Eichmann-Berichts, ziehe jedoch "seine hochgeradig moralische Konsequenz", in dem es die sprichwörtliche wie umstrittene "Banalität des Bösen" noch einmal aufgreifen und philosophisch durchdeklinieren würde. Jede Moralphilosophie sehe Arendt dann angesichts des Holocaust an ihr Ende kommen. In dieser klaren "quälenden Antwort" auf die Frage nach dem moralischen Fundament allen Handelns kann Lütkehaus auch noch einmal Hannah Arendts Redlichkeit erkennen, die sie aus seiner Sicht "wie wenige andere Philosophen" ausgezeichnet hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.08.2006
Wer Hannah Arendt als bedeutende politische Theoretikerin und Moralphilosophin erleben möchte, dem empfiehlt Thomas Meyer diesen Band, der eine ursprünglich als "Fragen der Moralphilosophie" betitelte 1965 in New York gehaltene Vorlesung enthält, mit der Arendt im Rekurs auf ihr Eichmann-Buch eine Begriffspräzisierung des Bösen vornimmt. Meyer verweist auf die kontroverse Rezeptionsgeschichte des Eichmann-Buches als Hintergrund für die "mit kräftigen Strichen" entworfene moralphilosophische, handlungstaugliche Verbindung von Sokrates, Platon, Kant und Arendts eigener Gegenwart. Und obgleich auch diese Vorlesung für ihn keine Aufklärung der "Banalität des Bösen" zuwege bringt, schätzt Meyer doch Arendts von ihr wiederum an Kant so geschätzte "Unerschrockenheit" im Urteil. Welthaltiger, findet er, sei Ethik selten verteidigt worden.
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