Bettina Wilpert

Herumtreiberinnen

Roman
Cover: Herumtreiberinnen
Verbrecher Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783957325136
Gebunden, 272 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Manja ist 17 Jahre alt und lebt im Leipzig der 1980er Jahre. Ihre beste Freundin Maxie und sie schwänzen die Schule, brechen in Schrebergärten ein und treffen sich im Freibad oder auf dem Rummel mit Jungs, bis Manja im Zimmer des Vertragsarbeiters Manuel von der Volkspolizei erwischt wird und auf die Venerologische Station für Frauen mit Geschlechtskrankheiten kommt. Eingewoben in den Roman sind auch Erlebnisse von Lilo, die in den 1940er Jahren an diesem Ort festgehalten wurde, da sie mit ihrem Vater für den kommunistischen Widerstand gearbeitet hat, und der Sozialarbeiterin Robin, die in den 2010er Jahren in diesem Haus - nun eine Unterkunft für Geflüchtete - tätig ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2022

Rezensent Nils Kahlefendt liest Bettina Wilperts Roman mit zwiespältigen Gefühlen. Einerseits wird die Geschichte der Protagonistin Manja, die wegen vermeintlicher Geschlechtskrankheiten in der DDR in eine Klinik zwangseingewiesen wird, mit großer Intensität und Eindringlichkeit bis zur Schmerzgrenze erzählt, lobt er. Andererseits verkommen die Nebenfiguren aus Sicht des Rezensenten zu fahlen Typen, erklärt er. Sowohl die Kommunistin im Untergrund während des Nationalsozialismus als auch die Sozialarbeiterin, die sich im Hier und Heute für Geflüchtete engagiert, werden rasch und mit wenig sprachlicher Empathie abgehandelt, bedauert der Rezensent, sodass deren Leben und Beziehungen Komplexität und Tiefe vermissen lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.05.2022

Wie in ihrem letzten Roman geht es auch in Bettina Wilperts neuem "ungemütlich" zu, meint Rezensent Thomas Hummitzsch. Von einer "geschlossenen venerologischen Station" erzählt er, einer Zwangsanstalt in der DDR, in die etwa der "Herumtreiberei" bezichtigte Menschen und Frauen mit Verdacht auf Geschlechtskrankheiten gesteckt wurden und in die hier auch die junge Manja gerät, weil sie sich mit einem mosambikanischen Arbeiter einließ. Was dabei laut Hummitzsch beim Lesen "weh tut", ist zum einen die Unterdrückung und die körperlichen Zumutungen, die Manja und anderen Frauen in der Anstalt erfahren - die Ärztin, die Zwangsbehandlungen durchführt, wird die "Kurbeldoris" genannt -, und zum anderen die "reaktionäre Sexualmoral", die Misogynie und der strukturelle Rassismus in der DDR, die dem Kritiker hier vor Augen geführt werden. Wie Wilpert davon erzählt, scheint Hummitzsch auch zu gefallen - nur die zwei Nebenstränge, die von zwei ganz anderen Figuren zu zwei anderen Zeiten erzählen, 1945 und 2015, passen für ihn nicht richtig hinein. Dennoch ein "aufwühlender" Roman, schleißt er.
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