Die vorliegende Studie eröffnet Einsichten in eine judaistisch wie landesgeschichtlich noch wenig erforschte Epoche. Untersucht werden komplexe Vorgänge innerhalb der deutschen Judenheit zu Beginn des 17. Jahrhunderts und ihr größerer historischer Zusammenhang, der bis ins 19. Jahrhundert reicht. Dabei bietet die Studie ein ganz neues Verständnis eines Ereignisses von hier erstmals ausgeloteter historischer Tragweite: Rabbiner und Vorsteher führender jüdischer Gemeinden verabschiedeten 1603 in Frankfurt am Main Verordnungen, die den jüdischen Zusammenhalt stärken sollten. Wenig später wurde die Zusammenkunft von einem Bonner Juden beim Kölner Kurfürsten Ernst von Bayern angezeigt. Auf dessen Vorschlag eröffnete Kaiser Rudolf II. 1606 einen Hochverratsprozess gegen die Juden im Reich, der ihre Rechtsstellung so stark erschütterte, dass die Vertreibung der Juden aus Frankfurt im "Fettmilch Aufstand" 1614 nur eine der Folgen war.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2004
Robert Jütte schätzt den Ertrag sehr hoch ein, den diese Studie von Birgit E. Klein für die jüdische Geschichte erbringe. Er lobt sie als "gelungenes Beispiel" für die "Wirkmächtigkeit einer sogenannte 'Gegengeschichte'" sowie als "minutiöse" und "dennoch in großen Teilen äußerst spannende Rekonstruktion" einer Biografie, nämlich der des Juda bar Chajim. Als weiteres wichtiges Ergebnis der Arbeit von Klein hebt der Rezensent hervor, dass sie "ein neues Licht auf die Motive" werfe, die den Kölner Erzbischof veranlassten, den Hochverratsprozeß gegen die Teilnehmer der Frankfurter Rabbinerversammlung von 1603 zu betreiben.
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