Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2002
50 Jahre ist diese Gruppenbiografie bereits alt, aber erst jetzt ist sie ins Deutsche übersetzt worden. Angelika Dörfler-Dierken wünscht der deutschen Publikation, der die Übersetzerin auch eine kurze Biografie der Autorin, eine neue Auswahlbibliografie und ein Register beigefügt hat, möglichst viele Leser. Denn die Nachwirkungen des nationalsozialistischen Propagandafilms "Jud Süss" seien heute noch spürbar. Zur Person der Autorin schreibt Dörfler-Dierken: die deutschstämmige Selma Stern promovierte bereits 1914 und forschte als einzige Frau in den 20er Jahren an der Berliner Akademie für die Wissenschaft des Judentums, 1933 ging sie ins Exil. Die jüdischen Hoffaktoren seien schon vorher Sterns Forschungsschwerpunkt gewesen, erläutert die Rezensentin, doch unter dem Eindruck des Exils habe sich ihre Sichtweise verändert: der Glaube an eine deutsch-jüdische Symbiose sei zerstört worden. Stattdessen kristallisierte sie die gegenseitige Fremdheit heraus. Gerade das Nichteingebundensein der jüdischen Financiers in die feudal-christliche Gesellschaft sei die Ursache für ihren raschen Aufstieg und jähen Fall gewesen, schreibt Dörfler-Sierken resümierend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2002
Die Historikerin Selma Stern, die dieses Buch 1950 im amerikanischen Exil in Philadelphia geschrieben hat, hat eine, wie der Rezensent Friedrich Niewöhner findet: "faszinierende" These zur Rolle des Hofjuden im Absolutismus. Ausgerechnet die "ungebildeten Geldbeschaffer" seien es gewesen, die den "Wiedereintritt der Juden in die profane Geschichte" vorbereitet, die Tore der Ghettos durch ihre geschäftlichen Beziehungen geöffnet hätten. Die intellektuelle Revolution der jüdischen Aufklärung, so die These weiter, profitierte von diesem gar nicht intendierten Effekt. Stern schildert in ihrem Buch einerseits die "volkswirtschaftlichen Prozesse", andererseits die Auswirkungen des Geschäftserfolgs der Hofjuden für das Judentum - und sie tut dies, wie Niewöhner meint, "spannend". Die Übersetzung wie die Bibliografie und Kommentierung durch Marina Sassenberg findet er hilfreich, das Buch ausgesprochen "wichtig".
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