Ruth Gay

Das Undenkbare tun

Juden in Deutschland nach 1945
Cover: Das Undenkbare tun
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406479724
Gebunden, 320 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Georgia Hanenberg. Mit 28 Abbildungen. Ruth Gay bietet einen Überblick über die Entstehung einer neuen jüdischen Welt in Deutschland nach 1945. Im Mittelpunkt stehen das jüdische Leben in den Lagern für displaced persons in den Jahren 1945-1948 und die Gründung sowie die unterschiedliche Entwicklung der neuen jüdischen Gemeinden in West- und Ostberlin. Nach 1948 blieben nur 12000 osteuropäische Juden in Deutschland und gründeten zusammen mit den wenigen überlebenden deutschen Juden die neuen jüdischen Gemeinden. Ruth Gay erklärt, warum die Menschen blieben, warum sie zurückkehrten, wie sie lebten, wie sie sich in der ihnen neuen Welt zurechtfanden und wie die in Deutschland geborene und erzogene zweite Generation mit der Vergangenheit ihrer Eltern und der Gegenwart, in der sie aufwachsen, umgeht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2002

Notwendigkeit und Qualität dieses Buches über jüdisches Leben im Nachkriegsdeutschland verstehen sich für den Rezensenten Julius H. Schoeps offensichtlich von selbst. Seine Besprechung ist bis auf eine Ausnahme vollkommen bewertungsfrei. Stattdessen nimmt sich Schoeps viel Zeit und Raum, den Inhalt von Ruth Gays Untersuchung, "von der bereits eine Reihe lesenswerter Bücher in deutscher Sprache erschienen sind", zu präsentieren. Ausführlich referiert er von Gay zusammengetragene Fakten: etwa über die "Rachegefühle und Verzweiflungstaten" aus Osteuropa stammender Juden, die unmittelbar nach dem Krieg in Lagern für "Displaced Persons" leben mussten; die Zahlenverhältnisse jüdischer Bürger in Ost und Westdeutschland; die Beschreibung des "eigenartigen Phänomens" einer Konvertierungswunschwelle von Christen in den 50er Jahren. Für "das interessanteste Kapitel des Buchs" hält Schoeps die Darstellung der Entwicklung in der DDR, und auch hier referiert er ausführlich die Problematik jüdischen Lebens bis heute. Leider wird manchmal nicht immer ganz deutlich, ob der Rezensent tatsächlich Gays Buch referiert oder aus eigener Kenntnis und Anschauung berichtet. Und so bleibt auch im Unklaren, ob seine abschließenden Bemerkungen über einen möglicherweise bevorstehenden grundlegenden Wandel des deutschen Judentums durch den Zuzug ehemaliger Bürger der Sowjetunion, nun eine eigene Einschätzung ist oder auf Gays Buch basiert.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Lukas Rietzschel. Sanditz - Roman . dtv, München, 2026.Lukas Rietzschel: Sanditz
Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,…
Elizabeth Strout. Erzähl mir alles - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Elizabeth Strout: Erzähl mir alles
Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…