In der öffentlichen Wahrnehmung waren mittelständische Familienunternehmen stets männerdominiert, Unternehmerinnen an der Spitze galten als Randerscheinung. Dabei lag der Frauenanteil bei Selbstständigen im Verlauf des gesamten 20. Jahrhunderts bei über 20 Prozent. Inzwischen ist das Interesse von Forschung, Politik und Medien an Unternehmerinnen stark gewachsen, ihre Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart werden zunehmend gewürdigt. Meist wird jedoch übersehen, dass Frauen schon immer maßgeblich zum Erfolg von Familienunternehmen beigetragen haben, selbst ohne direkt als Unternehmerin in Erscheinung zu treten. Der vorliegende Band eröffnet neue Perspektiven auf die unterschiedlichen Rollen von Frauen als Tochter, Ehefrau, Mutter, Witwe und Unternehmerin. Anhand von Fallbeispielen aus verschiedenen Branchen und Epochen zeigen elf Aufsätze, welchen maßgeblichen Einfluss Frauen seit jeher in Familienunternehmen hatten. Die Beiträge verbinden unternehmens-, gender-, sozial- und kulturhistorische Ansätze, um die vielfältigen Rollen von Frauen in Unternehmen eingehender zu beleuchten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2024
Klar positiv fällt die Besprechung des Rezensenten Hartmut Berghoff aus, die sich freilich weitgehend darauf beschränkt, den Inhalt des Buches zusammenzufassen. Der von der Draiflessen Collection herausgegebene Band widerlegt, lernen wir, das Vorurteil, dass Frauen bei der Führung von Unternehmen bis vor kurzem keine Rolle gespielt haben. Anhand zahlreicher, kurz und präzise ausgeführter Beispiele legt dieses Buch offen, so Berghoff, dass Frauen durchaus auch schon Anfang des 20. Jahrhunderts große Unternehmen wie etwa Krupp leiteten, teils agierten sie dabei, aufgrund der ideologischen Tabus der Zeit, im Verborgenen, außerdem übernahmen sie weitere wichtige Aufgaben etwa im Bereich der Repräsentation oder der Beschaffung finanzieller Mittel. Insgesamt freut sich der Rezensent über das breite historische Panorama, das der Band eröffnet; kritisch anzumerken hat er lediglich, dass die Fortschritte, die die Wirtschaft in Sachen Gleichstellung in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, nicht oder nur am Rande erwähnt werden.
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