Während Manser von 1984 bis 1990 im Dschungel Borneos lebte, entstanden seine "Tagebücher aus dem Regenwald": Aufzeichnungen über Fauna und Flora sowie über Sprache, Kultur und Lebensweise der Penan. Das Beobachtete und Erlernte schriftlich festzuhalten und mit anderen zu teilen, war Bruno Mansers liebste Tätigkeit. Neben den Texten beeindrucken vor allem die mit großer Detailtreue gezeichneten und kolorierten Illustrationen von Tieren, Pflanzen und Menschen. Mit einer Einleitung von Ruedi Suter.
Recht angetan zeigt sich Torsten Engelbrecht von dieser aufwendigen Ausgabe der "Tagebücher aus dem Regenwald" des seit Mai 2000 verschollenen Umweltaktivisten Bruno Manser. Von 1984 an habe der Schweizer sechs Jahre im Dschungel Borneos mit den Penan gelebt, die zu den letzten Urwaldvollnomaden dieser Erde zählen, und sei dabei einer der Ihren geworden, berichtet Engelbrecht. Manser habe gelernt, die Spuren des Wildes zu lesen, mit Blasrohr und Giftpfeil zu jagen und genießbare Waldfrüchte zu sammeln, und mit den Penan Widerstand gegen die Zivilisation zu leisten, deren Staatsmächte, Holzkonzerne und Pharmaunternehmen den Lebensraum der Ureinwohner sukzessive vernichten. Beeindruckend findet Engelbrecht neben den Dschungel-Aufzeichnungen Mansers auch die Aufmachung des 720 Seiten dicken, vierbändigen, im DIN-A3-Format gedruckten Werks, das mit vielen, oft kolorierten Illustrationen vom Bootsbau der Penan, vom roten Affen, vom Nashornvögel oder von exotischen Gewächsen wie der Durianfrucht aufwartet, die Manser mit "liebevoller Akribie" gezeichnet habe. Beim Lesen entstehe so das Gefühl, die Abenteuer Mansers "hautnah mitzuerleben".
Schlicht miserabel findet Rezensent Wolfgang Müller diese "Tagebücher aus dem Regenwald", die der Schweizer Bruno Manser während eines mehrjährigen Aufenthalts im inzwischen stark dezimierten Regenwald von Sarawak in Malaysia verfasste. Die Tagebücher taugen seines Erachtens weder für Forschungszwecke noch als Reiseliteratur oder als Bilderheft. Müller sieht darin eher das "zeitgenössische Dokument eines grandiosen Missverständnisses", das gar nicht selten anzutreffen sei, wenn sich ein zivilisationsmüder Europäer auf die Suche nach einem Volk begebe, "das autark und ohne Geld in seiner frei gewachsenen Kultur lebt". Als peinlich empfindet Müller, wie der Autor in die Haut des edlen Wilden zu schlüpfen sucht, um dann doch wieder den alten Überlegenheitsgestus an den Tag zu legen und sich in Exotismus zu suhlen, "Nur schwer", so der genervte Rezensent, "lässt sich diese Melange aus Sentimentalität, moralinsauren Plattitüden und arroganter Selbstinszenierung ertragen."
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