Wie wurde die Nachkriegsgeneration durch die Erfahrungen ihrer Eltern geprägt? Diese Frage stellt sich C. Bernd Sucher in seinem neuen, sehr persönlichen Buch und erzählt von seiner Mutter, einer stolzen und starken Frau, die als Jüdin im Dritten Reich verfolgt wurde, das KZ überlebte und nach dem Krieg einen Protestanten aus konservativem Elternhaus heiratete. Sie hatte eingewilligt, den Sohn christlich zu erziehen, was sie ein Leben lang quälte, seinen jüdischen Glauben sah sie dennoch kritisch und trieb ihn unerbittlich an, im Leben das zu erreichen, was ihr durch die NS-Verfolgung verwehrt blieb. Suchers Spurensuche zeichnet die schwierige, prägende Beziehung von Mutter und Sohn nach, sehr offen, reflektiert und wunderbar erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.01.2020
Für Christian Thomas ist C. Bernd Suchers Autobiografie eine Suche nach der schrecklichen Zeit. Dass diese Zeit Grauenhaftes birgt, merkt der Rezensent schnell. Es geht um Liebesentzug, Verrat an der Herkunft und an der Sexualität. Als Abrechnung mit der Mutter liest sich das Buch für Thomas schonungslos, unverschämt, als Memoir extraordinär ehrlich, aber auch eitel. Schließlich hat der Münchner Theaterkritiker auch eine "Geschichte der Befreiung" geschrieben, erläutert der Rezensent.
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