Aus dem Englischen von Nikolaus de Palezieux. Woran denken Sie, wenn Sie das Wort "blubber" hören, und wie würden Sie die Farben der untergehenden Sonne am Himmel beschreiben? Wir neigen zu der Annahme, dass alle Sprachen auf der Welt Ideen und Objekte auf die für uns natürliche Weise beschreiben. Beim genauen Hinsehen erkennen wir jedoch, dass das nicht immer der Fall ist und dass die Sprecher verschiedener Sprachen die Welt buchstäblich anders sehen. Denn jeder Sprachraum hat eine einzigartige Vorstellung von Zeit, Raum, Farbe und sogar Geruch. Auf einer Reise rund um den Globus erklärt Caleb Everett, was uns die sprachliche Vielfalt über die menschliche Kultur verrät und wie sie unser Verständnis vom Menschsein bereichert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.03.2025
In seinem Buch prangert Caleb Everetts den Verlust sprachlicher Vielfalt an, schreibt Rezensent Volkart Wildermuth. Derzeit gibt es noch gut über 7.000 Sprachen, doch viele verschwinden rasant. Everett zeigt anhand faszinierender Beispiele, wie Sprache unser Denken prägt: Die Hopi kennen keine Zeitformen für Verben, Aymara sehen die Vergangenheit vor sich, Russisch unterscheidet "hellblau" und "dunkelblau", aber nicht "blau", staunt der Kritiker. Auch Umweltfaktoren beeinflussen Sprachen - etwa Nahrung oder Klima. Everett schlägt eine Brücke zwischen Sprachrelativismus und Universalismus. Sein Buch ist ein Weckruf zum Erhalt bedrohter Sprachen, aber nicht leicht zu lesen. Ein besseres Lektorat, hätte da geholfen, merkt Wildermuth kritisch an. Dennoch: Wer in Sprache mehr als ein Kommunikationsmittel sieht, findet hier eine wertvolle Fundgrube.
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