Tim Henning, Nikola Anna Kompa, Christian Nimtz

Die dunkle Seite der Sprache

Wie Worte ausgrenzen, abwerten und manipulieren
Cover: Die dunkle Seite der Sprache
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406830976
Gebunden, 224 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Ausgrenzen, abwerten, manipulieren - Wie Bad Language funktioniert. Unsere Sprache hat eine dunkle Seite: Sie stellt uns nicht nur die Mittel bereit, mit denen wir uns verständigen und unsere Welt erschließen, sondern dieselben Mittel laden auch dazu ein, andere zu diskriminieren ("Asylbewerber sind kriminell"), kommunikativ zu entmächtigen (Mansplaining), herabzuwürdigen ("OK Boomer") oder schlicht Bullshit zu erzählen ("Sie essen die Katzen"). Tim Henning, Nikola Kompa und Christian Nimtz widmen sich einer philosophischen Erkundung dieser düsteren Rückseite unserer Sprache. Sie zeigen uns, dass die sprachlichen Formen der Ausgrenzung oder Verschleierung vor allem deshalb so mächtig sind, weil sie auf Mechanismen unserer Kommunikation beruhen, denen wir uns kaum bewusst sind. Das verlangt nach einem kritischen philosophischen Blick - um den fraglichen Mechanismen einen Teil ihrer Macht zu nehmen und die aufgeregten Diskussionen über unseren Sprachgebrauch zu versachlichen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 10.05.2025

Keine einfache, aber eine lohnende Lektüre hält dieses Buch für Rezensent Christian Schüle bereit. Tim Henning, Nikola Anna Kompa und Christian Nimtz, allesamt Philosophen, setzen sich in ihm mit der Funktionsweise von Sprache als Mechanismus der Herabsetzung auseinander. Analysiert werden unter anderem Kontexte sowie pragmatische und psychologische Aspekte, die Autoren nehmen vor allem auf wissenschaftliche Quellen zur Sprechaktforschung in den USA Bezug. Unter anderem zeigen Henning und Kollegen, wie Übergeneralisierungen und Schimpfworte funktionieren, die einzelnen Kapitel gehen durchaus unterschiedlich vor, manche Beschreiben die Phänomene eher in ihrer lebensweltlichen Fülle, andere gehen analytisch ins Detail, gelegentlich muss man sich durchaus durch schweres Fachvokabular kämpfen. Aber auch wenn die Autoren am Ende leider wenig Hinweise dazu geben, wie man verletzendes Sprechen vermeiden kann, kann Schüle das Buch empfehlen - man wird, nachdem man es gelesen hat, mehr auf seine Worte achten, glaubt er.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.03.2025

Wer dies Buch liest, wird künftig vorsichtiger sprechen, verspricht Rezensentin Nina Apin. In Sprache lauern überall Herabsetzungen und Machtstrategien, so der laut Apin "mit dem feinen Besteck der analytischen Philosophie" erarbeitete Befund der Autoren. Auch Tigern soll man demnach frei und ohne Angst entgegentreten, denn ein Satz wie "Tiger sind für Menschen gefährlich" enthält essenzialisierende Zuschreibungen, lernen wir. Auch von weiteren "Essenzialisierungsschleudern" wie "Blondine" oder "Karottenesser" wird laut Rezensentin abgeraten. Man möchte den Autoren empfehlen, mal ein Praktikum in der Fabrik machen, da könnten sie ihr feines Besteck intensiv erproben - aber dieser Rat enthält sicher wieder eine essenzialisierende Behauptung über mangelnde Sprachsensibilität von Arbeitern. Die Rezensentin empfiehlt das Buch jedenfalls wärmstens.

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