Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Debatte um Identitätspolitik und Rassismus keinen neuen Aufschlag bekommt. Waren es gestern noch "alte, weiße Männer", die unter Beschuss gerieten, so wird heute darüber gestritten, wer Amanda Gorman übersetzen oder wer für diverse Charaktere in Film und Theater gecastet werden darf. Der Ton: wütend, aggressiv, spaltend. Längst geht es nicht mehr um Gleichbehandlung, sondern Deutungshoheit: Wer hat hier das Sagen und darf mitreden? Die türkischstämmige Journalistin und Autorin Canan Topçu sagt: "Das ist nicht mein Antirassismus." Sie begibt sich auf Spurensuche ihrer ganz persönlichen Identitätsentwicklung und wehrt sich gegen Denkverbote und Tabus. Stattdessen streitet sie für den Dialog, für das Besonnen-Miteinander-Umgehen und dafür, die eigene Meinung nicht zum alleinigen Maß der Dinge zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.04.2022
Rezensent Pitt von Bebenburg findet in Canan Topcu und ihrem Buch über Respekt vor unterschiedlichen Identitäten ein gutes Beispiel für einen versöhnlichen Umgang miteinander trotz Ausgrenzungserfahrungen und Rassismus. Topcus Aufruf zu mehr Gelassenheit und Brückenbauen stößt für Bebenburg allerdings dort an seine Grenzen, wo die Autorin die Hanauer "Initiative 19. Februar" und ihren Antirassismus kritisiert. Die Autorin übersehe die starke Rolle der Initiative bei der Aufarbeitung der rechtsextremen Terrortat, meint er. Für den Rezensenten dennoch eine besondere, weil differenziert vorgehende, versöhnliche Form von Migrantenliteratur.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.01.2022
Rezensentin Christiane Schlötzer empfiehlt das Buch der Journalistin Canan Topcu als augenöffnenden Beitrag zur (Des-) Integrationsdebatte. Der persönliche Ansatz, mit dem die Autorin eigene Erfahrungen mit Rassismus und Antirassismus in Deutschland vorstellt und die Identitätsdebatte erörtert, scheint Schlötzer streitbar, aber authentisch. Topcu spricht über Wahrnehmungsweisen und Auftreten verschiedener Migrantengenerationen und den Wunsch, nicht Opfer zu sein, sie benennt Defizite in der Bildung und macht Lösungsvorschläge, erklärt Schlötzer. Ein Buch, das mit seinem moderaten und vermittelnden Ton Brücken schlagen kann, hofft die Rezensentin.
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