Galt die multikulturelle Gesellschaft in den 1980er Jahren weithin als ein emanzipatorisches Projekt, so löst sie heute eher die Sorge vor autoritären Milieustrukturen aus, die vor allem mit dem Islam assoziiert werden. Heiner Bielefeldt entwickelt das Konzept eines aufgeklärten Multikulturalismus, der sowohl seinen Grund als auch seine Grenzen in den Menschenrechten findet. Von diesem Konzept her analysiert er die aktuellen Kontroversen um Kopftuch, Religionsunterricht, Zwangsverheiratungen, Staatsbürgertests und die Integration muslimischer Minderheiten. Der Band versteht sich als Beitrag zur aktuellen deutschen Integrationsdebatte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2007
Nur Lob äußert Rezensent Leonhard Neidhart zu Heiner Bielefelds Plädoyer für einen an den Menschenrechten orientierten kulturellen und religiösen Pluralismus. Der Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte spricht sich für einen "aufgeklärten Multikulturalismus" aus, dem es nicht um die Verteidigung von Kulturen als abstrakten Entitäten geht, sondern um den Schutz der Menschen, die Träger kultureller Traditionen sind. Die Menschenrechte beinhalten ihm zufolge, das Recht jedes Menschen auf freie Selbstbestimmung, solange es nicht zu autoritären oder diskriminierenden Praktiken, wie beispielsweise der Zwangsverheiratung, komme. An dieser und an anderen Fragen, wie dem Konflikt zwischen Scharia und deutschem Grundgesetz und dem Kopftuchstreit, erläutert der Autor exemplarisch die Konsequenzen seines Pluralismus-Konzeptes. Der Rezensent lobt seine Ausführungen als durchweg "relevant, gehaltvoll und gut geschrieben".
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