Frank Böckelmann

Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen

Cover: Die Gelben, die Schwarzen, die Weißen
Manuscriptum Verlag, Waltrop und Leipzig 2018
ISBN 9783944872858
Kartoniert, 618 Seiten, 34,80 EUR

Klappentext

Frank Böckelmanns Studie über die gegenseitige Wahrnehmung und Fremdheit von "Gelben", "Schwarzen" und "Weißen" ist 1998 in Hans Magnus Enzensbergers "Die Andere Bibliothek" erschienen, war lange Zeit vergriffen und liegt nun in einer erweiterten Neuausgabe - mit Stellungnahme des Autors zur gegenwärtigen Lage - wieder vor. An Aktualität hat sie nichts eingebüßt - im Gegenteil. Schon vor zwei Jahrzehnten war die öffentliche Belehrung, wie man mit Fremden korrekt umzugehen habe, von einem entlarvenden Widerspruch geprägt: Mit der Parole "gegen Ausgrenzung" wurden wir dazu ermahnt, Fremdheit zu ertragen und sie zu beseitigen: einzusehen, dass die Fremden gar nicht fremd sind.
Heute ist aus der Hemmung, den Menschen ins Gesicht zu sehen und für den Anblick Worte zu finden, eine regelrechte Wahrnehmungsblockade geworden, der allgegenwärtige Rassismus-Verdacht. Aber Gesichtsform und Hautfarbe, Gangart und Gestik, Blickverhalten und Mienenspiel gehören zum kulturellen Erbe der Kontinente. Sie sind nicht belanglos, weil die genetischen Unterschiede gering sind. Wenn heute unablässig gefordert wird, "das Fremde" zu tolerieren, wenn Transparente vor öffentlichen Gebäuden zur Weltoffenheit auffordern und die Mannschaftskapitäne in den Stadien die "Respekt"-Litanei vortragen, tritt das Ziel solcher Humanitätsbeschwörung zutage: die Beseitigung der Andersheit, vorab der eigenen. Doch dieser Versuch - auch diese Erkenntnis vermittelt Böckelmanns Buch - ist zum Scheitern verurteilt.
Die zunehmende Unfähigkeit zur Befremdung geht einher mit einer Zunahme sprachloser Fremdheitserfahrungen. Hinter der eingeübten Aufgeschlossenheit beginnt das Wirkliche, das Unvergleichliche, heillos anstößig zu werden. Böckelmann zeigt die Europäer bzw. die Weißen als die Fremden der Anderen, als ihrerseits rätselhafte und undurchdringliche Wesen. Fremdheit - Abstoßung und Faszination - erweist sich nicht als Folge bedauerlicher Vorurteile, sondern als Ausdruck einer jeweils einzigartigen Begegnungsgeschichte. Dieses Buch ist keine Sammlung von Schuldzuweisungen, sondern ein Lob der Fremdheit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.03.2019

Claudius Seidl hat keine Berührungsängste vor diesem Buch des einstigen Protagonisten der antiautoritären Fraktion im SDS und heutigen Tumult-Herausgebers Frank Böckelmann, den man laut Kritiker mit Fug und Recht einen "Neuen Rechten" nennen könne. Im Gegenteil: Das Buch, erstmals 1998 erschienen, von taz bis FAZ einst wohlwollend besprochen und mit dem Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet, liegt nun in erweiterter Auflage vor, wird vom Autor als "Lob der Fremdheit" und vom Kritiker als so "lehrreiches" wie herausforderndes "Vergnügen" gepriesen - wobei er leider nicht sagt,  wie genau die Aktualisierung aussieht. Böckelmann erzählt ihm hier, wie er einst mit Japanern, Chinesen und Westafrikanern über Heimat und ihr Bild von den Deutschen sprach oder wie er unzählige historische und literarische Quellen durchforstete, um von den Herausforderungen transnationaler Begegnungen und der "Anerkennung des Unverständlichen" zu berichten. Dass Böckelmann mehr auf "anthropologische Konstanten" denn auf Beweise setzt, geht für Seidl in Ordnung: Man muss dem Autor nicht beipflichten, um sich von seinen Reflexionen anregen zu lassen, meint er.

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