»Ich lebe mein Leben in den Extremen. Die Mitte bietet keine Luft, in der ich atmen kann«, schreibt der junge Gustaf Gründgens in den zwanziger Jahren an seine Mutter, als er auf der Bühne der Hamburger Kammerspiele seine ersten Erfolge feiert und mit der KPD sympathisiert. Neun Tage bevor die Nazis die Macht übernehmen, stehen in einer Berliner Faust-Aufführung die morgen Gefeierten und morgen Gefeuerten zum letzten Mal miteinander auf der Bühne. Carola Stern erzählt von den Aufsteigern, den Privilegierten im NS-Staat, zu denen Gründgens und Hoppe gehören, und von dem Schicksal ihrer geflüchteten und ermordeten Kollegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2006
Thomas Leuchtenmüller hat in seiner Rezension nur ein gemischtes Fazit anzubieten. Carola Stern gelingt es, schreibt er, in ihrem Doppelporträt "Auf den Wassern des Lebens" Gustaf Gründgens in seiner komplexen Motiv- und Persönlichkeitsstruktur lebendig werden zu lassen. Bei seiner Kollegin und zeitweiligen Lebensgefährtin Marianne Hoppe indes kommt die große Journalistin über das Auflisten von widersprüchlichen Charaktereigenschaften - "temperamentvoll und reserviert, kühl und herzlich" - nicht hinaus. "Ferner denn je" sei ihm nach der Lektüre die Schauspielerin gewesen, notiert der Rezensent; dafür hat er erfahren, dass Gründgens "ein Spieler war", ins Risiko verliebt, auf "Prestige und Einfluss" versessen und wachsend "durch Gefährdung".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005
Christopher Schmidt hat die Lektüre dieser Doppelbiografie von Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe als "zwiespältiges Vergnügen" empfunden. Zunächst einmal erkennt er durchaus an, dass Carola Stern "gut recherchiert" und ihr Buch "flüssig geschrieben" hat. Auch findet er, dass sie alles in allem "gerecht" mit ihren genauso "umstrittenen wie exzeptionellen" Protagonisten verfährt. Was ihn aber zunehmend irritiert ist der durchgehende "muntere Ton", der die sich verfinsternden Zeiten fröhlich ignoriert. Auch von der "Theater-Metaphorik" hätte er gerne weniger gesehen. Noch unangenehmer aber ist ihm die "bewundernde Untersicht", mit der Stern die "Helden ihrer Jugend" darstellt. Damit werde die Biografin ihrem eigenen "kritischen Anspruch" keineswegs gerecht, so der Rezensent unzufrieden. So erzählt die Doppelbiografie doch nur die "Mär vom Ausnahmemenschen", so Schmidt enttäuscht, der findet, dass die Autorin, die bereits so ehrlich und selbstkritisch über ihre Begeisterung für den Nationalsozialismus während der Nazi-Zeit und ihre "kurze SED-Karriere" geschrieben hat, es eigentlich "besser wissen müsste".
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