Eng verknüpft mit liturgischen Neuerungen entwickelte sich im 15. und 16. Jahrhundert das Polyptychon zur spektakulären Sonderform des Altarbildes in ganz Europa: Häufig verfügt sein vielteiliger Aufbau über einen Klappmechanismus, so daß die Seitenflügel verschließbar sind und zu bestimmten Zeiten das Mittelbild (oder einen Schrein mit Skulpturen) verbergen. Der vorliegende Band bietet einen knappen Überblick über Genese und Typologie des Polyptychons vom Kleinformat für Kapellen bis zu den Hochaltären gewaltiger Kathedralen, die - wie in Palencia (Spanien) - sogar die gesamte Wand ausfüllen können. Anhand von dreißig Beispielen aus Flandern, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien veranschaulichen die beiden Autorinnen die ikonographische, formale und stilistische Vielfalt des Polyptychons.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002
"Ganz nah" führen die beiden Paduaner Kunsthistoriker den Leser an die Bilder heran, schwärmt Ira Mazzoni, so nah, "wie sie kein Kirchgänger je zu Gesicht bekam". In ihrem schwergewichtigen Band über die Geschichte der Flügelaltäre zeigen Virdis und Pietrogiovanna aber nicht nur die Werke von Bouts, Bosch oder der Gebrüder van Eyck, sondern berichten auch vom banausenhaften Umgang mit den Tafeln und ihren oft abenteuerlichen Odysseen durch die Geschichte. Besonders hoch rechnet es die Rezensentin dem Hirmer Verlag an, dass der mit dem "buchbinderischen Kniff" der ausklappbaren Seiten und mit dem stattlichen Format möglich mache, die ursprüngliche "Magie" der aufklappbaren Altäre zu Hause im Lesesessel nachzuerleben.
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