Aus dem Französischen von Paul Sourzac. Catherine Millet gilt in Frankreich als eine der wichtigsten Kunstkritikerinnen. Weltweit in Erstaunen versetzte sie Kritiker und Leser aber mit ihren Büchern "Das sexuelle Leben der Catherine M." und "Eifersucht", beides autobiografische Schilderungen ihrer intimen Erfahrungen. "Traumhafte Kindheit" schließt an diese beiden Werke an, Catherine Millet rekapituliert die Entwicklung ihrer Wahrnehmung, ihrer Gefühle und ihres Bewusstseins und spiegelt so anhand scharf beobachteter Episoden, wie sich ihre Persönlichkeit bildete. Offen und frei spricht sie von der Einsamkeit, den diffusen Schuld- und Schamgefühlen, den Ängsten eines jungen Menschen, der seine eigene Familie als "Glutofen der Hölle" empfindet und sich nicht anders zu helfen weiß, als auf dem Schulhof das alltägliche Elend der Eltern in ausgeschmückten Schilderungen noch einmal zuzuspitzen, um den gesellschaftlichen Makel in Stoff für exklusive Geschichten zu verkehren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2017
Unprätentiös, elegant und vergnüglich findet Niklas Bender Catherine Millets Kindheitserinnerungen, auch wenn das Kind im Buch zunächst wenig zu lachen hat. Aus einer Eltern-Ehe-Hölle kommend, geht die Autorin jedoch ihren Weg, stellt Bender fasziniert fest, und verwandelt ihre Schwächen in Stärken. Spektakulär ist hier für den Rezensenten nicht so sehr das Erlebte selber, sondern die Mischung aus Distanz und Empathie, mit der die Autorin ihrem Selbst begegnet. Im Zentrum des Buches steht laut Bender diesmal nicht die Erotik, sondern die Geburt einer literarisch-künstlerischen Sensibilität.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2017
Rezensentin Julia Dettke mag die Offenheit der französischen Schriftstellerin Catherine Millet. Dass es in der nun auch auf Deutsch vorliegenden Geschichte ihrer Kindheit weniger skandalös zugeht als in den Vorgängerromanen, ist für die Kritikerin dennoch kein Verlust: Mit "Traumhafte Kindheit" hält sie das ihrer Meinung nach "schönste" Buch der Autorin in den Händen, denn wenngleich Millet ihr hier von der psychischen Erkrankung ihrer Mutter, den ständigen Streitereien ihrer Eltern und den brutalen Gewaltausbrüchen ihres Vaters erzählt, besticht das Buch doch durch Einfühlungsvermögen und eine "rhythmische" und bildreiche Sprache, schwärmt die Rezensentin, die Millets Erzählkunst eine "universelle" Größe attestiert.
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