Cheon Myeong-kwan

Eine Bumerangfamilie

Roman
Cover: Eine Bumerangfamilie
Weissbooks, Berlin 2024
ISBN 9783863372163
Gebunden, 256 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Matthias Augustin und Kyunghee Park. Die Nullerjahre in einer heruntergekommenen Wohnsiedlung in einem Vorort von Seoul: Ich-Erzähler Inmo ist ein erfolgloser Filmregisseur; von seiner Frau verlassen, alkoholabhängig und verschuldet, kriecht er bei seiner Mutter unter. Dort haust bereits sein Bruder Hanmo, ein verfetteter Ex-Gangster auf Freigang, der den Spitznamen Hammer trägt. Dazu gesellt sich die Schwester der beiden, Miyŏn, die ihre beiden Ehen und ihr florierendes Café durch ihr notorisches Fremdgehen ruiniert hat. Die Mutter der drei, eine wortkarge Witwe Mitte siebzig, die mit dem Tür-zu-Tür-Verkauf von Kosmetik Geld verdient, hat ihre eigene Methode zur Streitschlichtung: Sie setzt ihren Kindern Unmengen von Essen vor.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.01.2025

Rezensentin Katharina Borchardt erinnert sich, angestoßen durch die Hemingway-Lektüre des Hauptprotagonisten in Cheon Myeong-kwans Roman, an die Eisberg-Theorie des US-Autoren Hemingway: Eine gute Geschichte dürfe nur ein Achtel ihres Stoffes auserzählen, den Rest müssten die Lesenden selbst ergänzen. Myeong-kwan hat sich leider nicht daran gehalten, bedauert die Rezensentin, im Gegenteil: Er zeigt sieben Achtel des Geschehens, lässt kaum etwas unausgesprochen und packt noch so viel oben drauf, dass der ganze Roman gehörig ins Wanken gerät: Eine Lovestory, eine Mordserie, eine Karriere im Porno-Business, einen Gangster-Thriller mixt die Autorin zusammen. Dabei hätte die Familiengeschichte, die nun vor allem Rahmenerzählung in einer Rahmenerzählung dient, für sich genommen durchaus Potenzial: Drei erwachsene Kinder kehren, nachdem sie alle auf ihre eigene Weise gescheitert sind oder sich in der Krise befinden, zurück in ihr Elternhaus, zur Mutter, fasst Borchardt zusammen. Myeong-kwan hat Humor und ein Talent für witzige Dialoge, lesen wir, doch statt diese vielversprechende Ausgangslage unterhaltsam auszugestalten, überlädt er sie mit allerlei erzählerischem Tand. Das Ergebnis: Völlige Überfrachtung und ein erheblicher Mangel an Tiefe, so das Resümee der enttäuschten Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2025

Ein "raues antikapitalistisches Kammerspiel" und eine "tief berührende Ode auf die Mutter", sieht Rezensent Steffen Gnam im Buch des koreanischen Autors und Regisseurs Cheon Myeong-kwan, in dem drei in der Welt gescheiterte Geschwister zu ihrer verwitweten Muttter zurückkehren. Regisseur Inmo, Kleinganove Hamno und die Schwester Miyŏn haben es in der Gesellschaft da draußen nicht geschafft und werden nun von der Mutter kräftig bekocht, deren Haus so zum Refugium der "Underdogs und Unterprivilegierten" wird - nach und nach werden allerdings Familiengeheimnisse aufgedeckt, die den Hausfrieden ins Wanken bringen, verrät der Rezensent. Gelungen findet Gnam, wie hier gesellschaftliche Themen, wie Schönheits-OPs, prekäre Arbeitssituationen und Hate Crimes verhandelt werden, aber auch, wie der Autor immer wieder literarische Referenzen einflicht. Das ist ein "K-Drama in Romanform", von dem sich Gnam aufs Beste unterhalten fühlt und gleichzeitig eine Ode an die Loyalität, gespickt mit kluger Kapitalismuskritik.

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