Dichtung und Wahrheit, Leben und Werk - dem Geständnis des alten Goethe, in seinen Texten sei mehr Leben niedergelegt, als man ihnen gewöhnlich ansehe, geht Christa Bürger in "Goethes Eros" nach. Sie folgt dem wunderbaren Geflecht von literarischen und realen Figuren, die sich ineinander spiegeln. Es wird sichtbar, was dieses Leben und dieses Werk antreibt: "Goethes Eros". Christa Bürgers spannende und engagierte Untersuchung zeigt einen Klassiker, der sich von lebenden Personen inspirieren ließ, um seinen literarischen Figuren Leben und Liebe einzuhauchen: So bedingen sich die Schwester Cornelia und die weiße Dame, Friederike zeigt sich als Gretchen oder Käthchen, Helena hat Züge von Schwiegertochter Ottilie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2009
Das Thema haut den Rezensenten schier von den Socken. Wieviel Mut, Distanz und Erfahrung es braucht, um Goethes Eros zu erkunden, scheint Gerhard Schulz ermessen zu können. Christa Bürger allerdings traut Schulz diesen Kraftakt durchaus zu. Im großen Ganzen wird er nicht enttäuscht. Wie Bürger etwa Goethes Autobiografie zitierfreudig in Beziehung setzt zu seinen Briefen und anderen seiner Werke, hat Schulz manch Bekanntes in neuem Licht sehen lassen. Dabei fällt ihm der persönliche Ansatz auf, mit dem Bürger Goethes Verhältnis zu seiner Schwester oder zu den diversen Charlotten erkundet. Der in immer wieder einfließenden Kommentaren vermittelte Vorgang des Nachdenkens jedoch geht dem Rezensenten irgendwann auf die Nerven. Lieber hält er sich an Argumente, an die Wissenschaftlerin, nicht an die Erzählerin Bürger. Das Buch ist für ihn eine provokante wie anspruchsvolle Quellensuche. Dass Goethes Eros so ganz vom Schreiben absorbiert worden sein soll, muss Schulz ja nicht unbedingt glauben.
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