Sigrid Damm erzählt die an Widersprüchen, Höhen und Tiefen, persönlichen und politischen Wechselfällen reiche Geschichte der über fünfzigjährigen Freundschaft zwischen Goethe und dem Weimarer Herzog Carl August. Vom 15. Juni an, dem Tag, als Goethe die Nachricht vom Tod des Freundes erhält, wird in Rückblenden die Lebenszeit der beiden durchwandert. Goethe spricht von ihrer innigsten Seelenverbindung. Doch es kommt immer wieder auch zu Differenzen, vor allem politischen. Carl August, der Napoleon-Hasser; Goethe, der Napoleon-Bewunderer und von dem Franzosen hofiert. Goethes Skepsis gegenüber den liberalen Bestrebungen seines Fürsten, vor allem im Hinblick auf die Preßfreiheit; von Preßfrechheit spricht er da. Während der Demagogenverfolgung in der düsteren Zeit der Restauration, als Carl August unter der Einschränkung seines Handlungsspielraums leidet, bekundet Goethe jedoch offen Solidarität mit ihm.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.12.2020
Rezensent Harro Zimmermann scheint sich an den Weimarer Hof zurückzusehnen nach der Lektüre von Sigrid Damms Buch über Carl August und Goethe. Wie der Großherzog und sein Beamter zwischen Zank und Zuneigung hin- und hergerissen Spannungen und Widersprüche austrugen, eine besondere Beziehung zwischen Geist und Macht zelebrierten, vermittelt ihm die Autorin mit gründlicher Recherche und mit Sachkenntnis, geradlinig erzählt. Goethes Verärgerung über die Großmannssucht seines Dienstherren, Carl Augusts Groll über Goethes bildungspolitische Haltung werden für Zimmermann kenntlich und erscheinen im Vergleich zur politischen Gegenwart dennoch auch kostbar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2020
Eine kleine große Hommage an die Autorin ist Gustav Seibts Besprechung dieses neuesten Buches von Sigrid Damm geworden, die am Tag ihres achtzigsten Geburtstags erscheint. Freundlich vollzieht er noch einmal ihre Methode nach, nämlich auf die historischen Quellen, ihre Masse und ihre Lücken zu verweisen, und dann behutsam vermutend und folgernd daraus ihren Roman zu spinnen - in diesem Fall den der Freundschaftsbeziehung zwischen Dichter und Großherzog. Der bewundernden Kritiker fällt der "Humor" auf, den er sonst bei Damm noch nicht gesehen hat, betont aber, dass dies auch ein "beklemmendes Buch vom Sterben" sei - nämlich Carl Augusts, dem sich Goethe, wie üblich, durch Abwesenheit und künstlerische Arbeit entzog.
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